Erkenntnisse vom Open Science Retreat: Kann Open Science Autoritarismus und geopolitische Spannungen überstehen?

von Anna Maria Hoefler, Guido Scherp und Sven Vlaeminck (ZBW)

Am 6. und 7. Mai 2026 brachte das zehnte Open Science Retreat rund 40 Teilnehmende aus etwa 20 Ländern zusammen, um die Zukunft von Open Science angesichts von Autoritarismus, geopolitischen Spannungen und Bestrebungen im Hinblick auf Datensouveränität zu diskutieren. Das Retreat befasste sich mit den wachsenden Herausforderungen durch Desinformation, Wissenschaftsskepsis, autoritäre Tendenzen und geopolitische Konflikte. Diese bedrohen zunehmend die akademische Freiheit, die internationale Zusammenarbeit und die Verfügbarkeit offener Forschungsinfrastrukturen und -materialien. Aufgrund des sensiblen Themas finden solche Diskussionen häufig nur in vertraulichen Räumen statt, insbesondere in Regionen wie den USA, wo Forschende befürchten könnten, dass sich öffentliche Äußerungen negativ auf ihre Karriere auswirken.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, wie Open Science unter diesen Bedingungen als Standard wissenschaftlicher Praxis nachhaltig erhalten und gestärkt werden kann und welche Rolle Datensouveränität und alternative Ansätze dabei spielen könnten.

Den Rahmen spannen: Die drei Keynote-Vorträge

Den thematischen Rahmen bildeten Keynote-Vorträge von drei internationalen Expert:innen. Peter Suber (Senior Advisor für Open Access und Direktor des Harvard Open Access Project, USA) gab einen eindrucksvollen und zutiefst beunruhigenden Überblick über die konkreten Maßnahmen der Trump-Regierung gegen die US-amerikanische Forschung. Dazu gehören das Löschen von Datensätzen, der Stopp laufender Datenerfassungsprojekte, die Auflösung von Behördenprogrammen, die Streichung bereits genehmigter Forschungsförderungen, Mittelkürzungen für Repositorien, das Einfrieren von Huchschulfinanzierungen, das Verbot bestimmter Begriffe, die Entlassung von Expert:innen aus Regierungsbehörden, die Verweigerung von Forschungsvisa sowie die gezielte Behinderung internationaler Kooperationen. Suber verfolgt diese Maßnahmen seit der ersten Amtszeit der Trump-Regierung und dokumentiert sie auf einer öffentlich zugänglichen Wiki-Seite Angesichts dessen plädierte er für eine offene Infrastruktur, die es ermöglicht, unzensierte (offene) Inhalte dezentral und länderübergreifend zu speichern. Zumindest bestehende Publikationen ließen sich so vor nachträglicher Zensur schützen, auch wenn dies weder die Zensur vor der Veröffentlichung noch die Streichung von Fördermitteln verhindern würde.

Jeroen Sondervan (Programmleitung Open Scholary Communication, Open Science NL) knüpfte daran an und nahm in seinem spannenden Vortrag die Resilienz von Open Science genauer unter die Lupe. Im Mittelpunkt standen dabei folgende Fragen:

  • Wird Open Science auch weiterhin möglich sein?
  • Ist Open Science widerstandsfähig genug und in der Lage, die Wissenschaft weiterhin zugänglicher und ansprechender zu machen, sie stärker für Beteiligung und Nachnutzung zu öffnen sowie transparenter und reproduzierbarer zu gestalten?

Die größten Herausforderungen sieht Sondervan in fünf Bereichen: Finanzierung, Forschungsinfrastruktur, Wissenschaftsfreiheit, die Sicherheit der Mitglieder der akademischen Gemeinschaft sowie Desinformation und wachsender Wissenschaftsskeptizismus. Sondervan stellte ein konzeptionelles Resilienzmodell vor, das dabei hilft zu beurteilen, welche Mechanismen oder Vorkehrungen vorhanden sind, um unsere Arbeitsweise zu schützen. Dieses Modell umfasst fünf Arten von Bedrohungen oder Eingriffen, die von einer „potenziellen Bedrohung“ bis hin zur tatsächlichen „Zerstörung“ reichen. Die entsprechenden Resilienzmechanismen gegen diese Bedrohungen und Eingriffe reichen von „Prävention“ bis „Wiederherstellung“.

Laut Sondervan ist Open Science besonders anfällig, da es stark auf internationale Zusammenarbeit, offene Infrastrukturen und den Austausch von Daten und Code angewiesen ist. Seine gesellschaftliche Relevanz mache es zudem anfälliger für politische Angriffe, Wissenschaftsskeptizismus und technische Bedrohungen. Gleichzeitig verfüge Open Science aber auch über besondere Stärken, wenn es um Resilienz gehe: Offene Lizenzen und Open-Source-Technologien erleichtern das Spiegeln, Anpassen und Wiederherstellen von Ressourcen. Zudem sind Open-Science-Communities oft sehr flexibel und zeichnen sich durch eine starke „Make-do“-Mentalität aus, wobei viele Aktivitäten auf ehrenamtlicher Arbeit beruhen. Zusammen mit seinem Kollegen Jeroen Bosman hat Sondervan einen Blogbeitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Einen ähnlichen Vortrag hielt er außerdem bei den Open Science Days 2025.

Quelle: Resilienzmodell von Jeroen Bosman und Jeroen Sondervan, 2025

Ezra Clark (Abteilungsleitung für Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik, UNESCO, Paris) gab Einblicke in die laufenden Bemühungen der UNESCO im Bereich Open Science. Als zentralen Meilenstein hob er die UNESCO Recommendation on Open Science hervor, die 2021 von 194 Ländern verabschiedet wurde. Sie stelle einen Akt kollektiven Ehrgeizes mit einem gemeinsamen Verständnis von Open Science und grundlegenden Verpflichtungen zur Transformation des gesamten wissenschaftlichen Prozesses dar.

Die Empfehlung schaffe einen einzigartigen internationalen Rahmen für eine Open-Science-Politik und -Praxis, der auf vier Säulen basiert: offenes wissenschaftliches Wissen, Open-Science-Infrastrukturen, offene Einbindung gesellschaftlicher Akteur:innen und offener Dialog mit anderen Wissenssystemen. Laut Clark wurde die Empfehlung in den letzten vier Jahren sehr positiv aufgenommen. Die Überwachungsmechanismen wurden gestärkt und das Bewusstsein für Open Science sei gewachsen. 77 Mitgliedstaaten nahmen am ersten Monitoring-Zyklus teil – ein Zeichen dass konkrete Schritte unternommen wurden, um Open Science in wissenschaftliche Prozesse zu integrieren.

Quelle: UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021), p. 11. Lizenz: CC-BY-SA 3.0 IGO

Gleichzeitig ging Clark auf die Kluft zwischen Absicht und Realität ein. Konkret wies er auf die anhaltende Nord-Süd-Kluft bei der Umsetzung hin. Eine zentrale Herausforderung bleibe der ungleiche Zugang zu Infrastruktur. Laut Clark ist „Open Science ohne Infrastruktur eine Vision ohne Praxis“. Entscheidend sei daher, in tragfähige Strukturen zu investieren und Vertrauen aufzubauen. Als praktisches Instrument dafür hat die UNESCO das UNESCO Open Science Toolkit entwickelt, eine Sammlung praktischer Ressourcen und Leitfäden. Eine der jüngsten Ergänzungen ist „Data Policies for Times of Crisis Facilitated by Open Science“, das ein Factsheet, einen Leitfaden sowie eine Checkliste zur Umsetzung enthält.

In den Breakout-Sessions: Kernthemen und Erkenntnisse der Teilnehmenden

Einen Eckpfeiler des Retreats bildeten die sechs Breakout-Sessions, die an beiden Tagen stattfanden. Aus den Diskussionen der Teilnehmenden wurden mehrere thematische Cluster herausgearbeitet, die im Folgenden jeweils mit exemplarischen Aussagen illustriert und in Bezug zum übergeordneten Thema des 10. Open-Science-Retreats gesetzt werden.

Offenheit und Forschungssicherheit abwägen

Vor dem Hintergrund sich verschärfenden geopolitischer Spannungen und daraus resultierender Sicherheitsbedenken, dem Schwerpunktthema des Retreats, widmet sich dieses Cluster dem vermeintlichen Konflikt zwischen der Sicherheit und der Offenheit von Forschung. Dabei wird betont, dass diese Spannung künstlich und daher überwindbar erscheint.

  • Forschungssicherheit vs. Open Science: Offenheit/Open Science wird oft als Gegenpol zur Forschungssicherheit gesehen, doch diese Spannung ist künstlich. Es ist wichtig, einen Weg zu finden, der zeigt, dass beides zusammenpasst. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrungen im Datenschutz, die auf den Schutz von Wissen übertragen werden können.
  • Perspektiven verstehen: Es ist wichtig, die Bedürfnisse außerhalb unserer Blase und in verschiedenen Communities zu verstehen. Beispiel: Es gibt viele Open-Science-Graswurzel-Initiativen von Forschenden; andererseits sind Open-Science-Treffen voll von Infrastrukturmanager:innen, nicht von Forschenden. Die Kombination des Wissens dieser beiden Gruppen könnte helfen, voranzukommen.
  • Offenheit als Kontrollinstrument: Open Science erfordert Erfahrung bei der Entscheidung, was, wann und wie veröffentlicht wird. Eine föderierte offene Infrastruktur mindert den Vendor-Lock-in-Effekt. Ein weiterer Aspekt: Entschleunigung und die Generierung von weniger, dafür aber gezielten und aussagekräftigen Daten (Slow-Science-Bewegung).

Kultur, Anreize und Reform der Forschungsbewertung

Globale Krisen und autoritäre Tendenzen können offene Praktiken bedrohen – aber auch als Katalysator für sie wirken. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich dieses Cluster auf die menschliche Seite von Wissenschaft und die dringende Frage, wie Karriere fördernde Mechanismen so ausgerichtet werden können, dass Open Science trotz dieser globalen Entwicklungen Bestand hat.

  • Anreize sind entscheidend: Open Science und eine Reform der Forschungsbewertung sind noch nicht gut aufeinander abgestimmt. Diese Diskrepanz wirkt sich direkt auf Fragen des Schutzes von Wissen aus (beispielsweise aufgrund fehlender Anreize für eine sorgfältige, bewusste Datenkuratierung). Insofern müssen Anreize und Belohnungssysteme in Wissenschaft und Forschung weiterentwickelt werden, um nachhaltige Open-Science-Praktiken zu fördern.
  • Werte vs. Ausreden: Open Science wird von persönlichen und beruflichen Werten angetrieben. Aktuelle globale Krisen können sowohl als Ausrede dienen, Open Science nicht mehr zu praktizieren, als auch als Grund, so offen wie möglich zu sein. Von grundlegender Bedeutung für Open Science ist, wen wir als Freunde oder als Feinde betrachten. Dies wirft auch die philosophische Frage auf, ob wir überhaupt teilen wollen.
  • Das Anreizsystem als Schutzschild gegen Krisen: Globale Entwicklungen/Krisen werden manchmal als Grund dafür angeführt, keine Open Science zu betreiben, was die Bedeutung robuster Anreizstrukturen unterstreicht. Die Vermittlung, Förderung und Anerkennung von Open Science im akademischen Bereich ist von entscheidender Bedeutung. Beispiel: Der Schweizer Nationale Preis für Open Research Data bindet Nachwuchsforschende erfolgreich ein.
  • Die Wettbewerbsbarriere: Im Forschungsdatenmanagement besteht weiterhin ein Wettbewerbsumfeld (zum Beispiel „Das sind meine Daten“, die man nicht „umsonst“ weitergeben möchte). Auch hier würden geeignete Anreize (wie die Anerkennung des Datenaustauschs als wissenschaftlicher Beitrag) helfen, die Wettbewerbsdynamik zumindest teilweise zu überwinden. Entscheidend für den Informationsaustausch ist auch die Einstellung gegenüber anderen (man teilt Informationen möglicherweise nicht mit Personen, die man als Konkurrent:innen betrachtet). Das Gegenargument lautet hier: Wissenschaft ist besser und erfolgreicher, wenn sie kooperativ betrieben wird.

Infrastruktur, Finanzierung und langfristige Nachhaltigkeit

Als Reaktion auf die Sorge um gefährdete Forschungsinfrastrukturen und ein unbeständiges politisches Klima beleuchtet dieses Cluster technische, strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen, die für tragfähige Open Science erforderlich sind, unabhängig von unvorhersehbarer staatlicher Finanzierung.

  • Pluralität und Spiegelung: Gemäß der Empfehlung von Peter Suber braucht es eine Vielfalt an Repositorien und Plattformen für den Zugang zu und die Erzeugung von Wissen (zum Beispiel eine Fusion von Open Research Europe und Zenodo).
  • Finanzielle Autonomie: Die Abhängigkeit von staatlichen Fördermitteln birgt Risiken, unabhängig von der geografischen Lage, da sie von politischen Entwicklungen abhängig sind. Die staatliche Unterstützung für Wissenschaft kann sich rasch ändern (wie kürzlich in den USA zu beobachten war). Langfristige Lösungen müssen daher unabhängig von staatlichen Fördermitteln sein.
  • Dezentralisierung und Vertrauen: Wer sind „vertrauenswürdige“ Gatekeeper:innen in dezentralen Infrastrukturen zur Spiegelung von Inhalten? Brauchen wir dezentrale, internationale Finanzierungsmodelle? Beispiel: SCOSS
  • Über die grundlegende Infrastruktur hinaus: Infrastruktur ist unverzichtbar, reicht aber allein nicht aus; menschliches Fachwissen ist ebenfalls von grundlegender Bedeutung.
  • Monitoring und Wirkung: Das Monitoring von Open Science muss auf der derzeitigen Dynamik aufbauen, um den konkreten Impact der aktuellen Investitionen nachzuweisen (beispielsweise mithilfe von Instrumenten wie dem EOSC Observatory). Eine Studie zu den wirtschaftlichen Vorteilen von Open Science hat PLOS initiiert.

Globale Inklusivität und Vernetzung von Communities

Um einer potenziellen Verringerung von Offenheit und globaler Zusammenarbeit, ausgelöst durch aktuelle geopolitische Brüche, entgegenzuwirken, betont dieses Cluster die Notwendigkeit, Brücken zwischen isolierten Netzwerken zu schlagen. Außerdem sollten globale Initiativen gefördert und Gerechtigkeit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden hergestellt werden.

  • Unverbundenes verbinden: Communities spielen eine entscheidende Rolle, sind aber derzeit zu wenig miteinander vernetzt. Gebraucht werden eine koordinierte globale Initiative, der Aufbau von Koalitionen (diplomatischer Aspekt) und ein Verständnis für die Bedürfnisse verschiedener Gemeinschaften.
  • Vom Globalen Süden lernen: Der Globale Süden sollte nicht vergessen werden. Er verfügt nur über geringere Budgets und hat meist keine von oben verordneten Open-Science-Vorgaben, bietet dafür aber einzigartige Graswurzel-Modelle, von denen wir lernen können.
  • Funktionsübergreifende Zusammenarbeit: Communities können entscheidend dazu beitragen, Infrastrukturpersonal und Forschende besser zu vernetzen (mehr Zusammenarbeit ist notwendig). Ebenso wichtig ist es, unterschiedliche Themenbereiche zusammenzubringen (etwa Open-Science-Gruppen und Forschungssicherheitsgruppen), um Missverständnisse zu vermeiden.

Konzeptionelle Klarheit, Missverständnisse und gezielte Kommunikation

Dieses Cluster steht in direktem Zusammenhang mit der Auseinandersetzung des Retreats rund um Datensouveränität“. Er beschäftigt sich mit der verwirrenden Terminologie rund um solche Konzepte, das fehlende gemeinsame Bewusstsein für das, was auf dem Spiel steht, und der strategischen Kommunikation, die zur Klärung der Ziele von Open Science erforderlich ist.

  • Semantische Verwirrung: „Datensouveränität“ wird unterschiedlich definiert und gilt weithin als problematischer, missverständlicher Begriff.
  • Bewusstseinslücke: Es mangelt an Bewusstsein für die Herausforderungen und Chancen, die mit Datensouveränität verbunden sind.
  • Zweifel ausräumen: Unsicherheiten rund um Open Science und Missverständnisse darüber, was damit verbunden ist, müssen aktiv angegangen und im Idealfall ausgeräumt werden.
  • Gezielte Kommunikation mit etablierten Forschenden: Renommierte Forschende haben oft vorgefasste Meinungen zu Open Science – und zugleich die institutionelle Möglichkeit, sich wirkungsvoll dafür einzusetzen. Eine klare, jargonfreie Kommunikation kann helfen, Vorurteile abzubauen und diese Einflusskraft zu mobilisieren.

Wie geht es weiter? Zentrale Erkenntnisse und umsetzbare Schritte

Um aus den Erkenntnissen des Retreats dauerhafte Resilienz zu machen, ist ein vielschichtiger Ansatz erforderlich, der einzelne Forschende bis hin zu globalen Entscheidungsträger:innen umfasst. Die folgenden Erkenntnisse und umsetzbaren Schritte skizzieren einen praktischen Fahrplan, um Open Science gegen zunehmenden geopolitischen Druck zu verteidigen und transparente, vertrauenswürdige, souveräne und kooperative Forschung zu sichern.

Individuelle Ebene:

Kernaussage: Persönliches Engagement für Offenheit dient als entscheidender Puffer gegen geopolitische Krisen, die als Vorwand genutzt werden, um sich aus einer kooperativen Wissenschaft zurückzuziehen.

Konkrete Maßnahmen:

  • Sicherheit als Datenschutz neu definieren: Wenden Sie bestehende Datenschutz- und Publikationsabläufe direkt auf Fragen des Schutzes von Wissen an, um so zu zeigen, dass der vermeintliche Konflikt künstlich ist.
  • Fachkolleg:innen als Fürsprecher:innen gewinnen: Beziehen Sie etablierte Forschende aktiv mit ein, indem Sie Open Science klar und ohne Fachjargon erklären, um vorgefasste Vorurteile abzubauen und ihre Einflusskraft zu mobilisieren.
  • Anreize nutzen: Bewerben Sie sich für Open-Data-Auszeichnungen und Auszeichnungsprogramme (wie den Schweizerischen ORD-Preis), um Ihre berufliche Sichtbarkeit zu stärken, insbesondere für Nachwuchswissenschaftler:innen.

Organisatorische Ebene:

Kernaussage: Der Ausbau technologischer Infrastruktur entfaltet nur dann Wirkung, wenn gleichzeitig in das menschliche Fachwissen investiert wird, das für ihren Betrieb erforderlich ist.

Konkrete Maßnahmen:

  • Forschungsbewertung reformieren: Überarbeiten Sie die Aufstiegs- und Einstellungskriterien der Institutionen, um Open-Science-Praktiken ausdrücklich zu belohnen und die konkurrierende „Das sind meine Daten“-Mentalität abzubauen.
  • Funktionsübergreifende Allianzen bilden: Bilden Sie interne Arbeitsgruppen, die Open-Science-Teams mit Stellen für Forschungssicherheit vernetzen, um aufzuzeigen, wie offene Praktiken die Bindung an bestimmte Anbietende verringern und die Datenintegrität verbessern.
  • Repository-Spiegelungen implementieren: Diversifizieren Sie das Risiko, indem Sie eine Vielzahl von Wissensplattformen unterstützen und regionale Spiegel wichtiger Repositorien (wie den großen US-Klimadatenbanken) einrichten, um Daten vor abrupten geopolitischen Veränderungen zu schützen.
  • Weiterhin Open-Science-Praktiken lehren und fördern, denn Open Science ist gute wissenschaftliche Praxis.

Politische und systemische Ebene:

Kernaussage: Langfristige systemische Resilienz erfordert eine Abkehr von fragmentierter, nationaler Finanzierung hin zu einem supranationalen, global einheitlichen und strukturell unabhängigen Rahmen, der volatilen politischen Zyklen standhalten kann.

Konkrete Maßnahmen:

  • Finanzierungsmodelle diversifizieren: Entwicklung dezentraler, internationaler oder stiftungsbasierter Finanzierungsströme, um Infrastruktur von einzelnen Regierungszyklen zu entkoppeln.
  • Definitionen standardisieren: Verabschiedung expliziter politischer Richtlinien zur Definition von „Datensouveränität“, um grenzüberschreitende Klarheit zu schaffen.
  • Austausch mit dem Globalen Süden finanzieren: Globale Initiativen ins Leben rufen, die die schlanken, bottom-up-orientierten und unregulierten Open-Science-Rahmenbedingungen des Globalen Südens explizit finanzieren und von ihnen lernen.
  • Investitionen nachverfolgen: Transparente Überwachungsrahmen (wie das EOSC Observatory ) ausbauen, um den öffentlichen Return on Investment nachzuweisen und institutionelle Unterstützung langfristig zu sichern.
  • Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden und Keynote-Speaker:innen für ihre unglaubliche Offenheit und ihre wertvollen Beiträge zu diesen wichtigen Diskussionen. Wir schätzen diesen wertvollen Austausch sehr – er hat uns Inspiration und Denkanstöße für diesen Blogbeitrag geliefert, einschließlich des Vorschlags für einen praktischen Fahrplan, um gemeinsam in die Zukunft zu navigieren.

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  • Über die Autor:innen:

    Dr. Guido Scherp ist Leiter der Abteilung “Open-Science-Transfer” an der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Er ist auch auf LinkedIn und Mastodon zu finden.
    Porträt: ZBW©, Fotograf: Sven Wied

    Dr. Anna Maria Höfler ist Koordinatorin für wissenschaftspolitische Aktivitäten in der ZBW. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Forschungsdaten und Open Science. Sie ist auch auf LinkedIn zu finden.
    Porträt, Fotograf: Rupert Pessl©

    Sven Vlaeminck ist Beauftragter für Forschungsdatenmanagement an der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.
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