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In der seit rund zehn Jahren erscheinenden Liste der Top 100 Selbstlerntools von Jane Hart, war Twitter über viele Jahre auf dem Spitzenplatz zu finden und liegt aktuell auf Platz 3 hinter der Google-Suche und YouTube. Ebenso belegt es in den Top 200 Tools for Learning den dritten Platz. Diese Anerkennung geschieht aus gutem Grund, eignet sich Twitter doch gleich auf mehreren Ebenen, um das eigene Lernen zu unterstützen. Und auch aus Sicht der Lehrenden bietet Twitter einige Vorzüge, etwa für Dozentinnen und Dozenten.

Egal ob Student, Wissenschaftlerin, Schüler, Lehrerin, Angestellter oder Selbstständige: Twitter lässt sich für die unterschiedlichsten Lernziele, in den individuellen Kontexten und auf ganz persönliche Art und Weise einsetzen. Lernen geschieht oft in Netzwerken, und Twitter ist von seiner Architektur und Funktionalität her dafür besonders geeignet.

Twitter für Schule, Hochschule und berufliche Bildung

Twitter wird beispielsweise – etwa in den USA – im schulischen Bereich eingesetzt. Die Ziele dahinter sind: das Engagement von Schülerinnen und Schülern in und außerhalb des Unterrichts zu erhöhen und die Teambildung oder die Kommunikation zu verstärken. Auch die Relevanz des Lernstoffes zu demonstrieren und ihn anzureichern, etwa mit Open Educational Resources, die bei Twitter entdeckt werden können, gehören zu den Einsatzzwecken. Ebenso kann Twitter natürlich im Rahmen der Hochschulausbildung, in der Forschung oder für das Lernen im beruflichen Kontext eingesetzt werden – und fördert individuelles, selbstbestimmtes Lernen. Da viele das Netzwerk auf dem Smartphone nutzen, ist es zugleich eine mobile Lernumgebung.

Für das Lernen mit Twitter gibt es verschiedenste mögliche Vorgehensweisen:

Twitter als Fach-Nachrichtenkanal

Über Neuigkeiten aus interessierenden Themengebieten kann man mit Twitter leicht auf dem Laufenden zu bleiben. Dafür bietet es sich an, zum einen Expertinnen und Experten zu folgen, die es bei Twitter zu allen Themen gibt und die sich beispielsweise über thematisch relevante Hashtags auffinden lassen. Zum anderen können Hashtags zu einem Thema recherchiert oder mit Apps wie Tweetdeck abonniert werden. Expertinnen und Experten kann man sich bei Twitter in privaten oder öffentlichen Listen organisieren. So ist es auch möglich von den Expertenlisten anderer zu profitieren.

“Twitter kann man auch als Zeitung zu einem Fachgebiet verstehen. Vorausgesetzt man folgt den Experten aus diesem Fachgebiet. Die kann man als Redakteure verstehen, die mit ihren Tweets auswählen, was sie für wesentlich halten. Und wer genügend vielen Experten (Redakteuren) folgt, kann einigermaßen sicher sein, dass er alle wichtigen Infos aus dem Fachgebiet erhält.” Quelle: Corporate Learning – Training und Wissensmanagement
Blog von Karlheinz Pape

Dementsprechend lässt sich Twitter auch als wissenschaftliches Journal verstehen; mitunter schwindet bei manchen dann der Bedarf, überhaupt noch Fachzeitschriften zu lesen.

Mit Expertinnen und Experten austauschen, Ideen diskutieren, Feedback einholen

Auch der Austausch mit anderen, zum Beispiel Expertinnen und Experten, gelingt bei Twitter leicht. So kann man von dem Know-how anderer profitieren, Feedback erhalten oder neue Ideen finden. Mögliche Vorgehensweisen dafür sind: Fragen stellen, die Fragen anderer beantworten, eigene Ideen äußern und sich Feedback geben lassen oder Umfragen erstellen.

Öffentliches Schreiben regt die Reflexion an und fördert das Lernen

Ein Effekt, der sich auch beim Verfassen von Blogposts immer wieder einstellt: Durch das öffentliche Schreiben durchdenken Autorinnen und Autoren vieles deutlich mehr – und lernen dabei selbst eine Menge. Nur Themen, die selbst verstanden wurden, lassen sich später verständlich und auf den Punkt genau formulieren. Zugleich dienen die neuproduzierten Inhalte wiederum anderen möglicherweise als Lerncontent. Zu neu Gelerntem einen Tweet (quasi als Notiz) für sich zu verfassen, fördert daher das eigene Lernen und stellt gleichzeitig ein potentielles Lernangebot für andere dar. Wie hier im Webinar von Karlheinz Pape “Lernen im Netzwerk mit Twitter”

Ein Beispiel hierfür ist das Verfassen von Tweets über interessante Punkte in Vorträgen, etwa bei Konferenzen. Gleichzeitig dient das Twittern von Veranstaltungen auch der Event-Dokumentation, ebenso wie das Kuratieren von Tweets für einen Twitter-„Moment“ zu einer Veranstaltung (Beispiel Waterkant Festival 2017).

Jeder kann einen Hashtag – etwa zu einer Veranstaltung – kreieren, falls dies die Veranstalter versäumt haben sollten.

Lerncommunitys ins Leben rufen

Twitter kann auch exzellent als Community-Plattform eingesetzt werden, um sich eine eigene Lerngemeinschaft im Netz zu erschaffen, in der die Prozesse des Lernens öffentlich abgebildet wird. Mehr als das gemeinsame Ziel und die Verwendung eines gemeinsamen Hashtags bedarf es nicht, um in einer Gruppe auf Twitter ein Thema kollaborativ zu erarbeiten.

So wird das Netzwerk zum Teil als Bestandteil von MOOCs für den Austausch innerhalb der Lerncommunity eingesetzt. Beispiele hierfür sind der Leuchtfeuer 4.0 MOOC mit dem Hashtag #feuer40 sowie der Corporate Learning 2025 MOOCathon mit dem Hashtag #cl2025.

Twitter zum Sammeln von Links und Inhalten verwenden

Die “Gefällt mir”-Markierung bei Twitter wird je nach Nutzenden individuell unterschiedlich verwendet. Manche setzen sie ein, um damit eine “Linksammlung” anzulegen, die dann beim eigenen Profil unter “Gefällt mir” eingesehen werden kann. Eine andere Option besteht darin, mit einem Automatisierungstool wie IFTTT alle markierten Tweet-Links in ein Content-Tool wie Pocket automatisch übertragen zu lassen und dort später anzusehen.

Lernaccounts abonnieren

Gerade in Bezug auf das Fremdsprachenlernen ist Twitter natürlich als soziales Netzwerk für den direkten Austausch mit Menschen aus anderen Sprachräumen prädestiniert.
Bei Twitter gibt es eine Reihe dedizierter Accounts, die sich allein dem Anbieten von Lerninhalten widmen. Hervorzuheben ist hier die Vermittlung von Fremdsprachen, etwa durch Tweets, mit denen grammatikalische Regeln oder Vokabeln verbreitet werden. Eine kleine Auswahl:

Twitter eignet sich zudem zum Studium von Dialekten.

Die systematische Nutzung von Twitter

Je aktiver man Twitter einsetzt, umso mehr Nutzen kann man potentiell für sich daraus ziehen. Dies gilt auch für das Lernen.

Ein hilfreicher Ansatz für den systematischen Ausbau eigener Aktivitäten (unter anderem) bei Twitter und eine Methode für das gemeinsame Lernen ist in diesem Zusammenhang “Working Out Loud”, basierend auf dem gleichnamigen Buch von John Stepper, mit dem wir uns in einem späteren Blogpost näher beschäftigen werden.

Sie kennen weitere interessante Anwendungsbeispiele und Tipps für die Nutzung von Twitter für das Lernen? Dann würden wir uns über einen Hinweis freuen.

Weiterführende Links

Birgit Fingerle ist Diplom-Ökonomin und beschäftigt sich in der ZBW unter anderem mit Innovationsmanagement, Open Innovation und Open Science. Birgit Fingerle holds a diploma in economics and business administration and works at ZBW, among others, in the fields innovation management, open innovation and open science.

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  • Was derzeit zugunsten von Twitter spricht, ist die Tatsache, dass es eins der wenigen Sozialen Netzwerke ist, das frei zugänglich ist, ohne dass man sich gleich registrieren muss.
    Wenn man aber bei Twitter angemeldet ist, dann ist es sinnvoll, einen Client zu verwenden, nämlich Tweetdeck https://tweetdeck.twitter.com/. Hier kann man verschiedene Abfragen und Twitter-Accounts als Spalte einrichten (was beispielsweise bei Beobachtung von Konferenzen über ein Schlagwort, einen hashtag ganz sinnvoll ist) und dann gesammelt und zu einem günstigen Zeitpunkt en bloc zur Kenntnis nehmen. Mit anderen Worten: mittels Tweetdeck kann man Twitter sehr schön an die eigenen Bedürfnisse anpassen!


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