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In einer Umfrage der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft wurden Forscherinnen und Forscher aus den Wirtschaftswissenschaften im Februar 2017 zu ihrer Einschätzung der Zukunft des Forschens und Publizierens in 20 Jahren befragt. An der Befragung haben 234 Personen teilgenommen.

Als Impuls für die Fragen dienten die Vorstellungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hinsichtlich der Digitalisierung der Wissenschaft.

Hier das Meinungsbild der Ökonominnen und Ökonomen aus der Befragung hinsichtlich der Forschungs- und Publikationsbedingungen im Jahr 2037:

Open Access beschleunigt Forschungsprozess

Über die Hälfte der Befragten glaubt, dass mehr als 50 Prozent der Publikationen in 20 Jahren ausschließlich im Open Access veröffentlicht werden. Dass 2037 immerhin mehr als ein Viertel der wissenschaftlichen Publikationen ausschließlich im Open Access erscheint, vermuten über 80 Prozent der Befragten. Eine überwältigende Mehrheit (knapp 80 Prozent) sieht in Zukunft den Forschungsprozess durch Open Access beschleunigt, weil dadurch Forschungsergebnisse schneller sichtbar würden.

















Open Data gewinnt langsam an Bedeutung

Fast 40 Prozent der Befragten vermuten, dass 2037 mehr als die Hälfte der Forschungsdaten veröffentlicht und geteilt wird. An das Veröffentlichen und Teilen von immerhin mehr als einem Viertel der Forschungsdaten glauben über 70 Prozent. Dabei ist die Mehrheit der Befragten aber skeptisch, was eine einheitliche Infrastruktur betrifft. Die Frage „Gibt es 2037 dafür eine einzige interdisziplinäre Forschungsdateninfrastruktur als universelle Anlaufstelle?“ verneinten gut 76 Prozent in der Befragung.

Citizen Science nicht von zentraler Bedeutung

Als nicht so bedeutsam schätzen die Wirtschaftswissenschaftlerinnen -und wissenschaftler das Thema Citizen Science ein. Dass sich Citizen Science in 20 Jahren als Forschungskooperationsmodell disziplinübergreifend durchgesetzt haben wird, trifft in ihren Augen nicht zu. Eine deutliche Mehrheit von 80,5 Prozent verneint diese Frage.

Neue Publikationsformate und alternative Metriken setzen sich durch

Die Mehrheit der Befragten glaubt an neue, offene Publikationsformate und an den Einsatz alternativer Metriken für die Evaluation wissenschaftlichen Outputs. 53,6 Prozent der Befragten nimmt an, dass 2037 PDFs nicht mehr das vorherrschende Publikationsformat darstellen werden. Außerdem gehen 57,9 Prozent davon aus, dass der Impact-Faktor dann als Indikator ausgedient haben wird.

Open Science im wissenschaftlichen Belohnungssystem verankert

201 der 234 Antwortgebenden gehen davon aus, dass 2037 in Bewerbungsverfahren zwei oder mehr Open-Science-Aktivitäten gewürdigt werden. Dazu gehören unter anderem Open-Peer-Review-Gutachtertätigkeit, Erzeugung und Teilen von Forschungsdaten, Bloggen, Tweeten und der Upload von Wissenschaftsvideos. Demnach würden Open-Science-Komponenten dann im wissenschaftlichen Belohnungssystem voll zum Tragen kommen.

Reviewtätigkeiten und Forschungsbedingungen ändern sich kaum

Nur eine Minderheit glaubt an eine Veränderung des Peer-Review-Prozesses, eine transparente Vergabe von Fördermitteln und ergebnisorientierte Forschungsbedingungen.

Dass es eine finanzielle Entlohnung von Reviewtätigkeiten geben wird, vermuten nur 39,2 Prozent der Befragten. Darüber hinaus verneinen 72,5 Prozent die Frage, ob eine finanzielle Entlohnung zu einer Steigerung der Reviewqualität führen würde.

Nur 36,8 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass 2037 die Vergabe von Fördermitteln dadurch transparent sein wird, dass genehmigte Projektanträge und dazugehörige Gutachten einsehbar sein werden. Ebenso glaubt nur eine Minderheit von 34,4 Prozent der Befragten, dass Forschungsbedingungen dann weniger reputationsorientiert, sondern eher ergebnisorientiert sein werden.

Wirtschaftsforschende glauben an einen langsamen Wandel des Systems

Alles in allem scheinen Wirtschaftswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler an einen Wandel hin zu Open Science zu glauben. Allerdings wird der Wandel demnach eher langsam vonstattengehen. Die Rahmenbedingungen der Forschungstätigkeit, wie zum Beispiel die Fördermittelvergabe oder das Angebot einer einheitlichen Forschungsdateninfrastruktur, werden sich in der Wahrnehmung der befragten Ökonominnen und Ökonomen nicht so schnell ändern.





Autorinnen: Birgit Fingerle, Lisa Flieger, Dr. Doreen Siegfried (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft)

Birgit Fingerle ist Diplom-Ökonomin und beschäftigt sich in der ZBW unter anderem mit Innovationsmanagement, Open Innovation und Science 2.0.

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