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Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich vom 18. bis 19.11.2016 im Wissenschaftspark Kiel. Veranstaltet wurde der KreativHack von Toppoint und OpenCampus. Neben DiWiSH war die ZBW Mitveranstalter.

 

Schließlich stellen Open Data, Forschungsdatenmanagement, Open Access und Open Science zentrale Themen der ZBW und in dem von ihr initiierten Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 dar.

Typischerweise richtet sich ein Hackathon in erster Linie an Personen, die programmieren können. Die Offenheit dieses Hackathons für alle wurde durch seine Benennung als “KreativHack” unterstrichen. Von Angestellten aus Universität und öffentlicher Verwaltung, über Selbstständige, Start-Up-Gründerinnen, vom syrischen Flüchtling bis hin zu Studierenden, fanden sich viele zusammen, um gemeinsam an Ideen zu arbeiten und die Open Data-Bewegung voranzubringen.

Vielfalt, Offenheit, Unterstützung und kreative Umgebung bringen Ideen voran

Zum Auftakt gab es im Wissenschaftszentrum eine Einführung von Sven Thomsen, CIO aus der Staatskanzlei der Landesregierung Schleswig-Holstein, zu Open Data und Data Driven Government in Schleswig-Holstein. In diesem Bundesland soll eine Open Data-Strategie erarbeitet werden. Damit verbunden ist auch ein Kulturwandel in der öffentlichen Verwaltung.

 

An dieses Thema knüpfte später Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei der Landesregierung Schleswig-Holstein, an, als er sagte, dass die Landesverwaltung noch mit einem veralteten Instrumentenkoffer unterwegs sei. Mit Hackathons und ähnlichen Methoden gäbe es nun neue Methoden, um an das kreative Potential im Land heranzukommen. Die Staatskanzlei unterstützte den KreativHack daher mit der Bereitstellung von Daten und Informationen über Open Data in Schleswig-Holstein.

 

Nach der Vorstellung von Ideen für die Bearbeitung während des Hackathons, fanden sich zügig rund zehn Teams zusammen. Die Teams teilten sich auf die beiden zu Innovationen anregenden Locations Toppoint und StarterKitchen zum Arbeiten auf und starteten eifrig diskutierend in die Nacht. Rund 24 Stunden Zeit hatten sie bis zur Ergebnispräsentation. Um die knappe Zeit optimal zu nutzen, verzichteten einige auf Schlaf, während andere ein Nickerchen auf einem der Sofas einlegten oder sich für eine Nachtruhe nach Hause begaben. Für Verpflegung war rund um die Uhr gesorgt, so dass sich die Teilnehmenden darüber keine Gedanken machen mussten.

 

In 24 Stunden die Nützlichkeit von Open Data bewiesen

Schnell waren die 24 Stunden um und die mit Spannung erwarteten Ergebnispräsentationen folgten. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Kürze der Zeit aus Open Data gemacht hatten, war beeindruckend:

Basierend auf Höhendaten von Kieler Gebäuden wurde eine 3D-Karte von Kiel entwickelt, in der Freifunk-Router verzeichnet wurden. Ein weiterer Ausbau der Karte um die Qualität des Empfangs ließ sich auf die Schnelle nicht realisieren, da es Probleme mit teilweise offenbar fehlerhaften Gebäudehöhen in den Daten gab.

 

Ein Team entwickelte ein Konzept einer Energienutzungsvorhersage, die Fragen wie diese beantworten können soll: Wann ist es besonders sinnvoll, Strom zu verbrauchen, und wann nicht so? Sollte ich erst morgen meine Wäsche waschen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass am nächsten Tag besonders viel Strom verbraucht wird? Wenn bessere Daten verfügbar wären, ließe sich eine solche Vorhersage mit relativ einfachen Mitteln realisieren und in der Folge die derzeit sehr hohen volkswirtschaftlichen Kosten für Ausgleichszahlungen bei Überkapazitäten im Stromnetz deutlich verringern.

Chaotische Dokumentation und begrenzte Datenverfügbarkeit als Herausforderung

Dem Ratssystem der Stadt Kiel widmete sich ein anderes Team. Da das Ratssystem bislang für Außenstehende schwierig zu durchschauen ist, war die Idee, dass sich Interessierte registrieren können und eine Benachrichtigung per Mail bekommen, wenn ihre Themen im Rat behandelt werden. Die laut dem Team chaotische Dokumentation des Ratsinformationssystems führte jedoch dazu, dass sich die Umsetzung sehr verzögerte. Doch auch nach Ende des Hackathon wird die Idee weiter umgesetzt.

Den für Radfahrerinnen und Radfahrer relevanten Informationen widmete sich ein Team mit einem Fahrrad-Stadtplan von Kiel. Radwege, Selbsthilfewerkstätten und andere besonders interessante Punkte rund um das Radfahren wurden darin visualisiert. Noch ambitioniertere Ziele wie die Integration interaktiver Userdaten, Daten von Streufahrzeugen oder auch Unfallstatistiken ließen sich in der Kürze der Zeit oder mangels verfügbarer Daten nicht realisieren.

 

Lernspielapp, Datenkunstwerke und eine schlaue Kreuzung

Pokémon Go-artig, ergänzt um Bildungs- und Umweltschutzgedanken, Schleswig-Holstein zu entdecken, wurde als Handyspielkonzept entwickelt. Dank Open Data beispielsweise zu Energie, Nahverkehr und Gebäuden kann Schleswig-Holstein in dem Spiel erforscht werden. Mit Freundinnen und Freunden können Teams gebildet werden, in denen gemeinsam Punkte gesammelt werden, etwa für das Einsparen von Energie und das Sammeln von Pflanzen.

Ein weiteres Team visualisierte offene Daten mit Geobezug als Kunstwerke, wie etwa die Anzahl der Pendlerinnen und Pendler nach Kreisen zugeordnet. Ihr Ziel war es, Interesse an Statistiken zu wecken, wenn diese beispielsweise auf Postkarten gedruckt werden. Die Ergebnisse lassen sich hier ansehen (Seite neu laden, um weitere Kunstwerke zu sehen). Ebenfalls künstlerisch war ein anderes Team tätig. Es nutzte den KreativHack zum Herumexperimentieren mit Video-Dreh und entwickelte einen Stop-Motion-Film.

Ganz handfest hingegen war das Ergebnis eines Teams, das smarte Straßenkreuzungen entwickeln möchte, die Autofahrerinnen und Autofahrer alarmieren und anzeigen, aus welcher Richtung sich ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht nähert. Es wurde geschraubt, gelötet und gesprüht, bis am Ende am Prototypen einer solchen smarten Kreuzung gezeigt werden konnte, wie Lichter an der Kreuzung unterschiedlich leuchteten, je nachdem woher ein Rettungswagen mit Blaulicht angefahren kam.

 

 

Probleme mit den Datensätzen

Der KreativHack Open Data machte zugleich deutlich, dass es für die Zukunft noch Wünsche wie eine bessere Auffindbarkeit und Aufbereitung gibt. So gibt es hier und da viele kleine Bestände an Open Data, die aber nicht an der Oberfläche sichtbar sind. So gab Sven Thomsen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann auch mit auf den Nachhauseweg: Sie sollten ihre Wünsche an Daten aufschreiben, zeigen, dass und wofür diese Daten gebraucht werden. So könnte es hilfreich sein, darüber zu bloggen, welche Daten und in welcher Form sie diese benötigen, damit die öffentliche Verwaltung diesen Wünschen für die Zukunft nachkommt.

Beim KreativHack Open Data wurde auch deutlich, wie wichtig es ist, Personen dabei zu haben, die sich mit den jeweiligen Daten wirklich auskennen. Oft gibt es zum Beispiel keine richtige Dokumentation, so dass die Daten für Personen ohne entsprechende Spezialkenntnisse und aus ihrem Zusammenhang gerissen, nicht verständlich sind. Ein Problem, das auch in der ZBW wohlbekannt ist. Denn für Forscherinnen und Forscher ist es ebenfalls oft schwierig, vorhandene Daten zu nachzunutzen, die ursprünglich für einen Verwaltungszusammenhang erhoben worden sind.

Auch wurde beim KreativHack der Wunsch geäußert, dass Datensätze so aufbereitet angeboten werden, dass sie direkt eingesetzt werden können. So musste ein Team zunächst einmal Fehler in Datensätzen bereinigen, um überhaupt damit arbeiten zu können. Zudem stellte es fest, dass Daten zum Teil zu sehr aggregiert angeboten werden, nämlich für die Stadt Kiel insgesamt. Der Wunsch, Daten auf Stadtteilebene zu visualisieren, ließ sich daher nicht umsetzen.

Wie geht es weiter?

Die Teilnehmenden haben trotz der Kürze der Zeit beachtliche Ergebnisse kreiert und der KreativHack Open Data hat somit als Schaufenster für die Nützlichkeit offener Daten gedient. Auch der Spaß kam dabei nicht zu kurz, was den Teilnehmenden anzumerken war. Darüber hinaus wurde der Hackathon als sehr gute Möglichkeit geschätzt, sich intensiv mit einem Projekt und neuen Technologien zu beschäftigen.

Open Campus und Toppoint haben eine Unterstützung der weiteren Umsetzung der Projekte des KreativHack zugesagt. Die Durchführung eines nächsten KreativHacks ist im Gespräch.

Weiterführende Informationen

Birgit Fingerle ist Diplom-Ökonomin und beschäftigt sich in der ZBW unter anderem mit Innovationsmanagement, Open Innovation und Science 2.0.

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