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Der Hype ist groß. Seit der Veröffentlichung am 6. Juli in den USA, Australien und Neuseeland und am 13. Juli offiziell auch in Deutschland, hat Pokémon Go quasi binnen Stunden die Ranglisten der installierten und stark genutzten Apps auf den Kopf gestellt, den Börsenwert von Nintendo nach oben katapultiert und zu allerlei merkwürdigen Vorkommnissen geführt.

Einstieg wird leicht gemacht

Pokémon Go ist eine standortabhängige, auf Google Maps basierende App, mit der man Pokémon, die “Taschenmonster”, fangen kann. Dafür muss man draußen mitunter weite Strecken zurücklegen. Durch Pokémon Go wurde Augmented Reality über Nacht bekannt. Augmented Reality- und Location-Based-Services-Spiele gibt es viele, wie den offiziellen Vorgänger Ingress. Pokémon Go aber ist für Einsteiger leicht zu verstehen und daher besonders massentauglich.

Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist sicherlich, dass die App kostenlos ist. Durch In-App-Käufe kann man, wenn man möchte aber schneller in den Levels aufsteigen. Die Hersteller verdienen gut mit den In-App-Verkäufen. In jedem Fall kostet das Spiel aber Daten, denn es fordert eine Reihe von Berechtigungen ein, weshalb Datenschutzaspekte – wie so oft – eine Rolle spielen.

Das Spiel bringt Menschen zusammen, lässt einen bei Spaziergängen allerlei neue Details entdecken, frisst dabei aber auch viel Akku-Power. Nicht unterschätzen sollte man zudem die Ablenkung, die das Spiel in den Alltag bringt, im positiven wie negativen Sinne, und den potentiell hohen Suchtfaktor.

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Wie funktioniert Pokémon Go – ein Selbstversuch

Die App zu testen, lohnt sich, selbst wenn einen die Gaming-Welt nicht besonders interessiert. Schließlich bietet die App einen Vorgeschmack auf weitere Einsatzpotentiale von Augmented Reality in der Zukunft und lässt einen möglicherweise auf neue Ideen für Bibliotheksinnovationen kommen.

Im Selbstversuch tauchte schon direkt im Büro auf dem Schreibtisch der erste Pokémon auf. Der Kieler Standort der ZBW ist zudem ein Pokéstop. An einem Pokéstop kann man Pokébälle einsammeln, die man benötigt, um neue Pokémon einzufangen. Zwei Kollegen haben sich auf den Weg gemacht das Areal zu erkunden. Dabei stießen sie auf Vulpix, Jurob und Taubsi. Die Pokémon können eingefangen werden, um sich in Arenen mit anderen Pokémon-Trainerinnen und Trainern zu messen. Die Arenen kann man ab Level 5 betreten und dort gegen andere Pokémons antreten. Als Gewinner des Matches darf man sein persönliches Pokémon-Maskottchen dort platzieren. In unmittelbarer Nähe der ZBW in Kiel befinden sich gleich zwei dieser Arenen.

Mit dem Fangspiel auf Kundenfang

Kleine Unternehmen profitieren von der App mit zum Teil deutlich mehr Laufkundschaft, wenn sie mit innovativen Werbeaktionen und speziellen Angeboten auf die Gunst der Stunde reagieren. So sorgen sie durch In-App-Käufe dafür, dass in der Umgebung ihres Standortes für eine halbe Stunde besonders viele Pokémon generiert werden, was zusätzliche potentielle Käufer anlockt. Besonders hilfreich kann dabei eine Arena in der Nähe sein. Denn dort treffen sich die Spielerinnen und Spieler, um gegeneinander um die Vorherrschaft zu kämpfen. Die Nähe zu einer Arena oder einem Pokéstop kann man für das Marketing nutzen, beispielsweise durch Giveaways, spezielle Angebote für das Team, das derzeit die Arena unter seiner Kontrolle hat oder durch In-App-Screenshots, die man mit Hashtags wie #PokemonGo auf den eigenen Social Media-Kanälen postet.

Überliefert ist beispielsweise der Fall einer Pizzeria, die für den Einsatz von zehn US-Dollar eine Umsatzsteigerung um 30 Prozent erreichen konnte. Auch die Vorab-Bekanntgabe der Aktivierung eines einzigen Köders über Facebook war in einigen Fällen sehr erfolgreich. Das Crystal Bridges Museum of American Art hat hingegen eine Webseite mit Screenshots der Pokémon vor Ausstellungsstücken auf dem Gelände online gestellt. Inwiefern das Pokémon-Go-Marketing funktioniert, hängt aber offenkundig auch vom Geschäftstyp, der den Zielgruppen und dem Standort ab.

Ist weder Pokéstop noch Arena in der Nähe, kann man erfinderisch werden und sich mit seinem Angebot dorthin begeben, wo welche sind. Optimal sind gleich mehrere davon auf einem Haufen. Oder man nutzt Social Media, um auf besondere Pokémon in der Nähe des eigenen Unternehmens hinzuweisen, wobei man auch Nutzerinnen und Nutzer einbinden kann, die möglicherweise für das Posten entsprechender Fotos belohnt werden. Auch Target Ads bei Facebook sind denkbar, über die bei Usern in der Nähe der eigene Pokémon beworben wird. Generell sollte man kurz darüber nachdenken, was bei Werbeaktionen in Zusammenhang mit Pokémon Go aus rechtlicher Sicht zu beachten ist.

Neue Nutzerinnen und Nutzer in die Bibliothek

Der Hype könnte durchaus neue Besucherinnen und Besucher in die Bibliotheken bringen und bietet die Möglichkeit, mit ihnen mit witzigen Aktionen zu interagieren. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von Displays, die die Spielerinnen und Spieler willkommen heißen, oder Abzeichen, die sich die Personen abholen können, die die Arena vor Ort erobert haben. So gelingt es möglicherweise, Personen, die sonst wenig Kontakt zur Bibliothek haben, für das eigene Angebot zu interessieren. Auch Social-Media-Aktionen können sich anbieten, wie es sie von einigen Bibliotheken, zumeist Öffentlichen, in Deutschland bereits gibt.

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Lohnt sich ein Engagement?

Die App zu installieren und sie zu testen empfiehlt sich, alleine um mit den Anwendungsmöglichkeiten von Augmented Reality vertrauter zu werden. Anschließend kann man sie ja wieder deinstallieren. Um einschätzen zu können, was sich durch Pokémon tut, ist es zudem sinnvoll, herauszufinden, ob Ihre Bibliothek ein Pokéstop oder eine Arena ist.

Wenn Sie überlegen, ob sich eigene Aktivitäten lohnen, stellen Sie sich folgende Fragen:

Wie aktiv werden?

Entscheiden Sie, den Hype mitzugehen, könnten Sie folgende Optionen abwägen:

  • Per Lock-Modul für den eigenen Standort kostenpflichtig innerhalb des Spiels Köder erwerben, die jeweils 30 Minuten lang dafür sorgen, dass besonders viele Pokémon auftauchen. So lässt sich an Pokéstops einiges an neuer Laufkundschaft generieren.
  • Spezielle Aktionen starten für Personen, die über Pokémon Go zur Bibliothek finden, oder an anderen Orten, an denen sich Pokéstops oder Arenen befinden.
  • Social- Media-Aktivitäten starten oder eine Webseite wie die des Crystal Bridges Museum of American Art aufsetzen, um über aufgefundene Pokémon zu berichten.

Welche Erfahrungen haben Sie bei sich gemacht? Bringt Pokémon Go etwas für Ihre Bibliothek?

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Möglicherweise ist der Hype auch schnell vorbei

Natürlich weiß niemand, wie lange der Spuk, äh Zauber, anhalten wird. Aber selbst wenn es nur ein kurzer Hype sein sollte, so ist es doch möglich, einigen Besucherinnen und Besuchern damit eine Freude zu machen.

Und wem der Hype zu viel wird, für den gibt es auch schon eine Chrome Extension, die alle Berichte über Pokémon Go herausfiltert.

Weiterführende Informationen:

The ZBW – Leibniz Information Centre for Economics is the world’s largest research infrastructure for economic literature, online as well as offline.

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