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Snapchat: Aufmerksamkeit für Bibliotheken mit selbstzerstörenden Bildern?

Die Foto-Messenger-App Snapchat behauptet sich erfolgreich gegenüber Konkurrenten wie Facebook und steht dank weiter wachsender Beliebtheit möglicherweise an der Schwelle zum Mainstream. Was ist das Besondere an der App, die bislang vor allem bei Schülerinnen und Schülern beliebt ist und für sich selbst zerstörende Bilder bekannt ist?

Snapchat gehört aktuell zu den am stärksten wachsenden sozialen Netzwerken. Die App mit dem weißen Geist auf gelbem Hintergrund als Erkennungszeichen befindet sich auf dem Siegeszug, spätestens seit sie im Oktober 2013 die Snapchat-Geschichten eingeführt hat. Selbst dass im Oktober 2014 Hacker private Fotos von Snapchat-Nutzerinnen und –Nutzern in Umlauf brachten, an die sie über einen Drittanbieter zum Speichern einzelner Snaps gekommen waren, konnte den Aufschwung der App nicht stoppen, obwohl dies Snapchats Versprechen von sich selbst zerstörenden Bildern und Videos widerspricht.

Im Mai 2015 wies Snapchat bereits 100 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer täglich auf. Mit seiner mobile-first-Strategie zielte Snapchat von Anbeginn an insbesondere auf besonders junge Nutzerinnen und Nutzer. Derzeit nimmt aber auch der Anteil älterer Nutzerinnen und Nutzer der App deutlich zu. Fast 27 Prozent der US-Internetnutzerinnen und -nutzer zwischen 25 und 34 Jahren setzen es bereits ein, sowie fast 13 Prozent der 35- bis 44-Jährigen. Täglich verzeichnet es 7 Milliarden Videoabrufe, ungefähr so viele wie Facebook, das deutlich mehr User hat. Snapchat wird, so scheint es, erwachsen und befindet sich an dem Punkt, wo es sich in der breiten Bevölkerung durchsetzt.

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Die App für die Aufmerksamkeitsökonomie

Im Vergleich zu Facebook sind die bei Snapchat erreichten Abrufzahlen deutlich aussagekräftiger und stehen für echte Aufmerksamkeit. Denn die Beiträge öffnen sich nicht wie bei Facebook automatisch im Newsstream. Man erhält sie direkt als Push-Nachricht. Wenn man die Snaps eines Snapchatters sehen möchte, sind eine Entscheidung dafür und ein aktives Anklicken notwendig, sodass Snapchat die Aufmerksamkeit viel stärker als andere Netzwerke auf sich zieht. Gleichzeitig wirkt Snapchat privater und authentischer als Facebook.

Dreh- und Angelpunkt von Snapchat ist der Fotobereich. Dementsprechend wird mit dem Start von Snapchat direkt die Handy-Kamera aktiviert. Jede Nutzerin und jeder Nutzer verfügt über einen Snapcode, der wie ein QR-Code funktioniert. Mit diesem Code, manche verwenden ihn beispielsweise als Twitter-Profilbild, können andere Personen hinzugefügt werden.

Seit Kurzem ist dies auch durch das Teilen der eigenen Profil-URL möglich.

Andere Möglichkeiten, Snapchatter zu finden, sind etwas mühsamer: über den vollständigen Nutzernamen, die Suche in der Nähe oder aus dem eigenen Adressbuch. Dies erschwert es auch, beispielsweise Bibliotheken auf Snapchat ausfindig zu machen. Der Snapscore eines Users gibt Auskunft darüber, wie aktiv er oder sie bei Snapchat ist. Eine Trophäenkiste, in der Auszeichnungen für verschiedene Aktionen bei Snapchat gesammelt werden, dient der Gamification.

Eigene Fotos und Videos zu bearbeiten, stellt einen elementaren Bestandteil von Snapchat und der Resonanz auf Snaps dar. Optionen, die dafür verwendet werden können, sind: Text, Zeichnungen, Emojis oder Filter, die das Bild wie bei Instagram farblich verändern oder mit Daten wie Uhrzeit und Temperatur oder Geofiltern anreichern. Beliebt sind auch „Lenses“, die Gesichter verfremden, etwa indem die berühmten Regenbögen aus dem Mund kommen. Beachten sollte man allerdings, dass Snapchat einerseits persönliche Daten sammelt und sich andererseits vorbehält, Fotos zu speichern, zu veröffentlichen und zu verkaufen – weitere Infos finden sich in den Geschäftsbedingungen.

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Storytelling mit Snapchat

Verglichen mit anderen sozialen Netzwerken wirken die Inhalte bei Snapchat besonders authentisch. Wem es gelingt, dort gute Geschichten zu erzählen, der kann Aufmerksamkeit gewinnen. Eine Snapchat-Geschichte ist dabei eine Sammlung aller Snaps, also aller Bilder und Videos, eines Users von einem Tag, die am Stück abgespielt werden. Videos können bis zu 10 Sekunden lang sein. Fotos und Videos können bis zu 10 Sekunden lang angeschaut werden. 24 Stunden nach der Veröffentlichung werden sie automatisch gelöscht. Anschließend gibt es nur eingeschränkte Wiederholungsmöglichkeiten. Allerdings können Nutzerinnen und Nutzer einen Screenshot von Snaps machen. In diesem Fall wird die Urheberin beziehungsweise der Urheber des Snaps benachrichtigt. Die Snaps können dabei öffentlich oder privat mit allen oder benutzerdefinierten Freunden geteilt werden. Eigene Geschichten können allerdings problemlos gespeichert werden, etwa um in anderen sozialen Netzwerken die Snapchat-Präsenz zu bewerben.

Eine Geschichte bei Snapchat zu erzählen, kann zum Beispiel bedeuten, eine Veranstaltung anzukündigen und zu begleiten oder beispielsweise von Reisen oder von anderen Ereignissen chronologisch zu berichten. Kurze, angesichts des Limits von 10 Sekunden bruchstückhafte, Interviews, mit Zitaten hinterlegte Bilder oder Videosequenzen sind Beispiele für einzelne mögliche Snaps innerhalb einer Geschichte. Nutzerinnen und Nutzer von ihren Erlebnissen berichten zu lassen, Impressionen aus dem Arbeitstag zu bringen sind weitere Optionen, ebenso wie das „Anteasern“ von längeren Texten oder Videos. Verschiedene Video-Schnipsel oder Fotos können abwechselnd folgen, um zum Beispiel aktuelle und historische Ereignisse einander gegenüberzustellen.

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Wie lässt sich der Snapchat-Geist auf Bibliotheken übertragen?

Die Gretchenfrage lautet – wie im Prinzip bei jedem neuen sozialen Netzwerk: Welchen echten Mehrwert können Bibliotheken auf Snapchat bieten, der einen Anreiz zum Folgen darstellt? Eine Auflistung von Aktivitäten von Universitäten auf Snapchat kann hierfür Inspiration liefern.

Mögliche Ideen für den Snapchat-Einsatz durch Bibliotheken sind: Tutorials, ein Blick hinter die Kulissen, den Einsatz von Bibliotheksservices live demonstrieren, Reisen oder die oben genannten Berichte von Veranstaltungen. Wichtig ist dabei vor allem, mit den Fans in den Dialog zu treten. Dafür sollte man den eigenen Fans selbst folgen und ihre Snaps lesen, sowie sie auffordern, auf Bibliotheks-Snaps zu antworten. So könnten Bibliotheken neue Erkenntnisse über ihre Fans gewinnen.

Erste Schritte bei Snapchat

Angesichts der starken Trends zur Messaging-Kultur und Social Streaming passt Snapchat perfekt in den Zeitgeist. Alleine um diesen zu verstehen, bietet es sich an, die App spielerisch zu testen.

Zunächst wirkt die App aber eher verwirrend, da ihre Nutzung nicht besonders intuitiv ist. Für einen begleiteten ersten Einstieg in die App bietet sich das im Januar 2016 veröffentlichte Snapchat-Buch „Snap me if you can“ an. Anschließend heißt es dann „Experimentieren“ und testen, was Snapchat für die eigene Bibliothek bewirken kann.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Snapchat? Kennen Sie Bibliotheken, die Snapchat erfolgreich einsetzen?


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Autorin: Birgit Fingerle (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft; Soziale Medien, Stabsstelle Innovationsmanagement)

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