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Am 20. März lud der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 zu seinem dritten Barcamp ein, das traditionell als Pre-Event einen Tag vor der dazugehörigen internationalen Konferenz durchgeführt wird. Open Science nimmt derzeit weltweit Fahrt auf, was in Europa unter anderem durch die europäische Forschungspolitik spürbar wird. Um die Open Science-Bewegung aufzugreifen, fand die Tagung in diesem Jahr erstmals unter dem Label “Open Science Conference” statt. Das Barcamp folgte dieser Entwicklung mit dem Label “Barcamp Open Science”. Veranstaltungsort beider Events war dieses Jahr Berlin. Für das Barcamp stellte Wikimedia seine Räumlichkeiten zur Verfügung.

Open Science ist in der Breite angekommen

Nach drei Barcamps können wir ein immer wiederkehrendes Muster feststellen: Jedes Jahr sind die Teilgebenden (bei Barcamps handelt es sich nicht etwa um Teilnehmende) gemischt und haben sehr unterschiedlichem Hintergründe, aber es überwiegt immer ein eher jüngeres Publikum. Jedes Jahr sind auch immer rund die Hälfte aller Teilgebenden erstmalig auf einem Barcamp.

Was dieses Jahr auffiel: Barcamp und Tagung waren bereits mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Ein toller Erfolg, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Zudem ist der Anteil internationaler Teilgebenden in diesem Jahr deutlich gestiegen, so dass Englisch als Sprache des Barcamps diesmal außer Frage stand. Diese Entwicklung zeigt, dass Open Science in der Breite angekommen ist – oder zumindest viele neugierig macht.

“Putting Open Science into practice“

Das Barcamp Open Science richtet vor allem an diejenigen, die sich über Open Science-Praktiken austauschen möchten, getreu dem Motto des Barcamps “Putting Open Science into practice”. Dabei waren wie immer sowohl erfahrene und aktive Open Science-Praktikerinnen und -Praktiker vor Ort, sowie Personen, für die das Thema noch relativ neu ist.

Dieses Jahr wurde beim Barcamp, analog zur Tagung, ein Schwerpunkt auf Open Educational Resources (OER) gelegt. Bisher haben die beiden Communities noch wenige Berührungspunkte, aber eine Zusammenarbeit erscheint sinnvoll. OER können beispielsweise bei der Vermittlung von Open Science-Praktiken in der Lehre genutzt werden. Zudem sind mit der Bereitschaft zur Kollaboration und zum Teilen wesentliche Aspekte von OER auch in Open Science zu finden.

Daher befasste sich der diesjährige „Ignition Talk“ mit der Schnittstelle OER und Open Science, gehalten von Annekatrin Bock vom „Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung“ (GEI). In ihrem Vortrag betonte Bock, dass die Akzeptanz von Open Science-Praktiken, sei es bei Open Science im klassischen Sinne oder bei OER, mit grundlegenden kulturellen und sozialen Problemen konfrontiert ist: Warum ist es hilfreich, die eigenen Daten (oder eben Lehrmaterialien) mit anderen zu teilen? Die aktive Anwendung von Open Science und OER ist demnach zunächst eine Einstellungssache, eine persönliche Präferenz von Forschenden.

Hohe Vielfalt an Sessionthemen

In diesem Jahr hatten wir Raum für 20 Sessions, die problemlos gefüllt werden konnten. Hilfreich war sicherlich, dass viele ein spezielles Pad für Session-Vorschläge genutzt haben und somit im Vorfeld einige Sessions bereits vorbereitet waren und über das Pad kommuniziert wurden.

Wie immer gibt es einige Dauerbrennerthemen, beispielsweise offene Forschungsdaten, Replizierbarkeit, Metriken, Anreize und Vermittlung von Open Science-Praktiken. Es wurden aber ebenso konkrete Projekte und Projektergebnisse vorgestellt, etwa der neueste Relaunch des Projekts “Open Knowledge Maps” oder Ergebnisse einer Studie zu Altmetrics aus dem EU-Projekt “OpenUp”. Interessant war auch die Vorstellung von “LibGen”, der Technologie hinter “SciHub”.

Charmant an Barcamps ist ja, dass sich neben einigen vorbereiteten Sessions auch viele trauen, einfach spontan ein Thema vorzuschlagen, das manchmal auch von den Erwartungen abweicht. Dieses Mal war es eine Session zu der Frage, warum eigentlich nur sehr wenige Frauen eine Session vorgeschlagen haben. Zu Recht, denn das Verhältnis der Geschlechter unter den Teilgebenden war durchaus 50:50. Diese Gruppe hat auch gleich drei Handlungsempfehlungen formuliert:

  • Aufteilung der Session-Planung: eine Hälfte am Anfang, die andere nach dem Mittagessen. Etwas schüchterne Personen haben vielleicht in den bisherigen Sessions eigene Ideen bekommen und trauen sich auch, diese als Session vorzuschlagen.
  • Das Organisationsteam sollte auf allen Ebenen (Moderatorinnen und Moderatoren, Fotografinnen und Fotografen, …) ausgeglichen und vielfältig sein.
  • Das Angebot, in einer anonymeren und freieren Art und Weise Sessions vorzuschlagen.

Einfach umzusetzende Open Science-Praktiken mit großer Wirkung

Eine Session ist dieses Jahr besonders hervorgestochen. In dieser wurde ein Workshop mit einem klaren Ziel, einer klaren Struktur und entsprechender Vorbereitung durchgeführt. Organisiert wurde dieser von Bianca Kramer und Jeroen Bosman zum Thema Open Science-Praktiken entlang des wissenschaftlichen Workflows. Dazu wurde ein Workflow aus sieben Phasen skizziert (Preparation, Discovery, Analysis, Writing, Publication, Outreach, Assessment), dem typische im Vorfeld vorbereitete Open Science-Praktiken zugeordnet wurden.

In Schritt eins durften die Teilgebenden die Open Science-Praktiken erweitern. In Schritt zwei sollten die Praktiken ausgewählt werden, die einfach umzusetzen sind und gleichzeitig große Wirkung haben. In Schritt drei sollten sich Kleingruppen bilden, die aus den ausgewählten Praktiken für eine Phase die wichtigsten zwei Praktiken aussuchen und diskutieren, warum diese in der Breite unabhängig von der jeweiligen Disziplin besonders gut funktionieren können und wo es gegebenenfalls disziplinspezifische Hürden gibt. Die Ergebnisse wurden an Metaplanwänden dokumentiert und dann in der großen Runde vorgestellt. Generell war der umfangreiche Einsatz von Moderationsmaterialen dieses Jahr auffällig hoch, wodurch manchmal aber auch weniger in die Session-Pads geschrieben wurde.

OER und Open Science : Noch viel ungenutztes Potential

Eine Session wurde spontan vorgeschlagen, um einfach mal über OER und Open Science zu reden. In einer weiteren Session ging es um MOOCs, wobei klar wurde, dass die vorgestellten MOOCs keine OER sind. Generell gibt es mit den fünf Rs (Retain, Reuse, Revise, Remix, Restribute) eine anerkannte Definition der zentralen Eigenschaften von OER, die auch dem Geist von Open Science entsprechen.

In vielen Sessions wurde auch betont, dass Open Science-Praktiken gelehrt werden müssen. Es muss ein Transfer stattfinden, der dabei hilft, kulturell und sozial bedingte Barrieren abzubauen. OER könnten auch dafür eingesetzt werden. Somit besteht noch viel Potential in der Zusammenarbeit zwischen der OER- und der Open Science-Community.

Eine Einsicht, in der wir bestärkt worden sind: Studierende haben zwar oft keinen praktischen Bezug zu den typischen “Open”-Fragen, z.B. wie man publiziert und wo man mit seinen Forschungsdaten bleibt. Gleichwohl lohnt es sich in vielfacher Hinsicht, das Thema Openness auch mit Studierenden anzugehen. Zum Beispiel können unter Anleitung Erfahrungen beim Bearbeiten der Wikipedia gesammelt werden. Einrichtungen wie die Wiki Education Foundation helfen dabei.

Aus- und Rückblick – Barcamp 2017+

Wie für ein Barcamp üblich gib es ein Meta-Pad mit allen wesentlichen Informationen. Dort gibt es beispielsweise eine Übersicht aller Blog-Beiträge zum Barcamp, eine auf freiwilliger Basis erstellt Liste der Teilgebenden, zudem es sind alle Session-Pads verlinkt.

Darüber hinaus hat Open Science Radio wie schon im vergangenen Jahr das Barcamp begleitet, fast alle Session-Moderatorinnen und -Moderatoren zu deren jeweiligen Sessions befragt und zeitnah ein Audio-Podcasts veröffentlicht.

Die Open Science Conference findet 2018 wieder in Berlin statt und somit auch das Barcamp Open Science. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!

 

Autoren: Lambert Heller (Leiter des Open Science Lab an der Technischen Informationsbibliothek (TIB), Hannover), Dr. Guido Scherp (Leiter der Abteilung „Soziale Medien“ an der ZBW und Koordinator des Leibniz-Forschungsverbunds Science 2.0)

Fotos: Oliver Lang

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