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Die Analog-Anhänger können sich nun schon einmal die Hände reiben – vielleicht nicht zu euphorisch, denn was im Folgenden beschrieben wird, sind Erkenntnisse aus den USA. Wer weiß, wie es hier in Europa aussieht?

Die University of California Libraries haben kürzlich eine gemeinsame Studie zum Thema elektronische Bücher (PDF) an Universitäten veröffentlicht – Hintergrund ist das Springer E-Book Pilotprojekt, das dort seit dem vergangenen Jahr läuft.

Campusweit wurden insgesamt rund 2.569 Studenten zu ihrem Lern- und Leseverhalten befragt. 58 Prozent der Studienteilnehmer gaben dabei an, E-Books bei ihren akademischen Arbeiten einzusetzen, 38 Prozent verneinten dies und vier Prozent waren sich nicht so sicher, was sie eigentlich von der ganzen Sache halten sollen. Das Spannende an den Ergebnissen ist Folgendes: Offenbar ist es so, dass die Häufigkeit der Nutzung von E-Books mit der wissenschaftlichen Erfahrung der Befragten ansteigt! Postdocs zeigten mit 68 Prozent das größte Interesse an digitaler Literatur, bei den Studenten im Aufbaustudium waren es 67 Prozent, bei den Befragten, die noch vor dem Vordiplom stehen, waren es lediglich 55 Prozent.

Zur Stellungnahme gebeten, was man denn an E-Books schätze, gaben viele der Befragten an, dass die schnelle Suchfunktion im Text unersetzbar sei. Ebenso empfinden viele die integrierten Notizfunktionen als eine große Hilfe.

Springen wir in der Studie ein paar Seiten weiter, landen wir bei interessanten Argumenten der Gegenbewegung, die ich hier kurz zitieren möchte. Sie alle stammen von Studenten, die noch einige Semester vor der Abschlussprüfung stehen:

Wie ist Ihre Präferenz?

– “Papier, weil es mich nicht ablenkt, wie es zum Beispiel die Computernutzung macht.”
– “Papier. Ich habe einige Schwierigkeiten damit, lange Passagen konzentriert am Computer zu lesen.”
– “Papier. E-Books stören meine Konzentration.”
– “Wenn sie dasselbe kosten, bevorzuge ich die Papierversion. Das Lesen am Computer macht es für mich schwieriger, die Informationen zu verstehen.”

Es gibt noch eine ganze Menge weiterer interessanter O-Töne in der Studie, die um so aufschlussreicher werden, je differenzierter sie sich zeigen:

Print-Bücher sind in einigen Situationen besser als E-Books – und andersherum. Jedes Format hat eine Rolle. E-Books sind großartig, um Bücher schnell zu beurteilen, schnell zu durchsuchen (etwa Enzyklopädien oder beim Fakten-Check), Bibliographien für Zitationen zu finden und ausgewählte Kapitel oder die Einleitung zu lesen. Wenn ich das komplette Buch lesen möchte, bevorzuge ich Print.

Ist das nachvollziehbar? Ich denke schon. Offenbar ist es noch immer so, dass “das richtige Lesen” oft und gerne analog geschieht. Das wirft dann wiederum die Frage auf: Müssen wir uns an die neuen Medien anpassen oder sollten sich diese noch intensiver nach unseren Bedürfnissen richten? Zweifelsohne ist es so, dass Print – unabhängig davon, wie man dazu stehen mag – in den kommenden Jahren weiter und weiter an Bedeutung verlieren wird: Bücher erscheinen ausschließlich als E-Books, der Bezug digitaler Literatur wird einfacher, Schulen organisieren ihre Leseklassen per Kindle und iPad. Werden wir uns schneller an den Gebrauch gewöhnen müssen? Ist das, was wir hier sehen, mangelnde Medienkompetenz, Nostalgie oder eine noch unzureichende Technologie?

http://www.cdlib.org/services/uxdesign/docs/2011/academic_ebook_usage_survey.pdf

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