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Schulungen, Trainingsmaterialien und Anreize spielen eine Rolle bei der Förderung von Open Science. Im Interview gibt Helene Brinken von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen einen Überblick über die Aktivitäten im Rahmen des EU-Projekts FOSTER Plus.

Welche Ziele hat das Projekt FOSTER Plus?

Das EU-geförderte Projekt FOSTER Plus möchte einen Kulturwandel in der Wissenschaft unterstützen, der über die Kenntnisnahme der Open-Science-Bewegung hinausgeht und bei dem die praktischen Aspekte von Open Science vollständig umgesetzt werden. Hierfür werden Qualifizierungsmöglichkeiten auf institutioneller Ebene und in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gestärkt. Gleichzeitig wird ein Netzwerk zur Unterstützung von Trainern und Trainerinnen aufgebaut, das Open-Science-Fürsprecher und -Fürsprecherinnen aus einer Reihe von Forschungseinrichtungen und -infrastrukturen zusammenbringt.

Welche Trainingsaktivitäten gibt es im FOSTER Plus-Projekt und an wen richten sie sich?

FOSTER Plus organisiert spezifische Trainings für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich auf Schlüsselkompetenzen zur Förderung der Open-Science-Kultur konzentrieren. Dabei offeriert das Projekt ein breit gefächertes Schulungsprogramm, das einen starken Fokus auf E-Learning setzt, aber auch eine Vielzahl von face-to-face-Veranstaltungen beinhaltet. Besonders wichtig ist es FOSTER Plus, disziplinspezifische Materialien bereitzustellen, um auf unterschiedliche Bedürfnisse der Forschungsgemeinschaften zu reagieren. Aus diesem Grund sind GESIS (Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften) als Partner für die Sozialwissenschaften, das Centre for Genomic Regulation für die Lebenswissenschaften und DARIAH-EU (Digitale Forschungsinfrastruktur
für die Geistes- und Kulturwissenschaften) für die Geisteswissenschaften in das Projekt involviert. Neben dem disziplinspezifischen Schwerpunkt legt FOSTER Plus besonderen Wert auf die Stärkung der Open-Science-Trainingskapazität. Der sogenannte train-the-trainer-Ansatz spielt daher eine zentrale Rolle in den Projektaktivitäten. Neben Veranstaltungen werden auch neue Materialien erstellt, die sich gezielt an zukünftige Open-Science-Trainer richten.

Welche Rolle spielen Bibliotheken in FOSTER Plus?

Zwei wesentliche Partner im Projektkonsortium von FOSTER Plus sind die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) und die Association of European Research Libraries (LIBER), ein Zusammenschluss europäischer Forschungsbibliotheken. Die SUB ist stark in die Entwicklung von neuen Lernmaterialien sowie die Durchführung von Trainings involviert, daneben leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts. Des Weiteren hat die SUB in Kooperation mit der Technischen Informationsbibliothek Hannover das offene, lebende „Open Science Training Handbook“ ins Leben gerufen.

LIBER ist vor allem dafür zuständig, Open-Science-Trainingskapazitäten in ganz Europa aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Bibliotheken spielen für FOSTER Plus eine wichtige Rolle. Das Projekt kann die bestehenden Netzwerke nutzen und auf eine breite Unterstützung bauen.

Welche Rolle sollten Bibliotheken in Hinblick auf das Training von Forschenden für Open Science einnehmen?

Bibliotheken können eine wesentliche Rolle im Open-Science-Training für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einnehmen, indem sie als Knotenpunkt fungieren. Dies beinhaltet einerseits Beratung, beispielsweise in Form von Open-Access- oder Open-Science-Beauftragten, zudem sind Bibliotheken Anlaufstelle und Treffpunkt für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die auf der Suche nach Informationen sind. Die SUB Göttingen bietet regelmäßige Open-Science-Meet-Ups an, die Forschenden am Campus als Plattform für den Austausch untereinander und als Lernmöglichkeit zur Verfügung stehen. Des Weiteren pflegt die SUB einen Open-Science-Mail-Verteiler, der alle Interessierten über die Aktivitäten in Göttingen auf dem Laufenden hält.

An wen richtet sich das Open Science E-Learning Toolkit und wie ist es konzipiert?

Das FOSTER Open Science E-Learning Toolkit richtet sich vor allem an Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich zum Thema Open Science fortbilden möchten. Es handelt sich dabei um Online-Kurse, die zeitlich unbegrenzt verfügbar sind. FOSTER Plus hat zu zentralen Open-Science-Themen umfassende Kurse erstellt, die einen besonderen Fokus auf die praktische Anwendung setzen und Fallbeispiele aus den unterschiedlichen Disziplinen einbeziehen. Folgende Kurse sind bereits konzipiert und nun zunächst für öffentliche Kommentare verfügbar:

  • What is Open Science?
  • Best Practices in Open Research
  • Ethics and Data Protection
  • Open Access Publishing
  • Managing and Sharing Research Dat
  • Licensing
  • Sharing Preprints
  • Open Peer Review
  • Open Source Software and Workflows
  • Open Science and Innovation

Diese Kurse werden durch Lernpfade miteinander verbunden, deren Abschluss zu einem Zertifikat führen kann.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf, damit sich Open Science noch mehr im Alltag von Forscherinnen und Forschern etabliert?

Damit Open-Science-Praktiken in täglichen Arbeitsabläufen angewendet werden können, benötigen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vor allem Training, das über die Sensibilisierung für die Wichtigkeit von Open Science hinausgeht und sich auf die praktische Umsetzung fokussiert. Daneben spielen Anreize eine wichtige Rolle, da Forschende nicht nur befähigt, sondern auch motiviert sein sollen, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Das bedeutet, dass Forschungsinstitutionen beispielsweise in Bewerbungsverfahren gesteigerten Wert auf die Fähigkeit der Anwendung von Open-Science-Praktiken legen sollten.

Was würden Sie Bibliotheken empfehlen, um Open Science zu fördern?

FOSTER Plus hat das zweiseitige Positionspapier „Roadmap for Implementing Open Science Training Practices in Research Institutions“ veröffentlicht, um Institutionen auf ihre Handlungsmöglichkeiten für die Förderung von Open Science aufmerksam zu machen.

Das Papier formuliert sechs Schritte zu wirkungsvollen Steuerungsansätzen, wie beispielsweise die Verbesserung des Trainingsangebots, die Integration von Open-Science-Inhalten in die Ausbildung von Forschenden, die Anpassung an disziplinspezifische Bedürfnisse etc. erfolgen kann.

Unsere Fragen beantwortete: Helene Brinken

Nach dem Abschluss ihres Masters „Internationales Informationsmanagement – Informationswissenschaft“ begann Helene Brinken ihre Tätigkeit an der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen für die EU-Projekte FOSTER Plus und FIT4RRI zu den Themen Open Science und Responsible Research & Innovation. Dort ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit der Projekte verantwortlich, erstellt neue Lernmaterialen und organisiert Workshops zum Thema Open Science, wie beispielsweise den Book Sprint für das FOSTER Open Science Training Handbook.

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