ZBW MediaTalk

1. Bekanntheitsgrad und Sichtbarkeit der Bibliothek erhöhen

Immer wieder ist erstaunlich, wie wenig Bibliotheken von vielen Teilen der Bevölkerung wahrgenommen werden. Mit Social Media haben Bibliotheken die Möglichkeit, sehr einfach in der digitalen Welt eine Reichweite zu erzielen – auch außerhalb der üblichen Bibliotheksklientel. Allein die Nutzungszahlen der sozialen Medien in Deutschland zeigen, wie groß das Potential für Bibliotheken ist. Das einzige, was benötigt wird, ist entsprechend geschultes Personal und die nötige Offenheit, Personalressourcen dafür einzusetzen. Insbesondere auch kleinere Bibliotheken haben hier sehr große Chancen. Und für die größeren Bibliotheken ist die Präsenz mittlerweile obligatorisch.

2. Die Bibliothek als eine moderne, offene und zukunftsorientierte Einrichtung darstellen

Bibliotheken können sich in den sozialen Netzwerken als eine sympathische und moderne Einrichtung darstellen. Sie wollen nicht nur als Bücherverleihstelle wahrgenommen, sondern mit ihren ganzen Angeboten als Ort sichtbar werden. Nur Büchertische und Büchertipps zu posten, reicht dabei nicht. Obwohl auch das gut ist, wenn es pfiffig gemacht ist, und es erreicht sicher auch eine gewünschte Zielgruppe, die Buch- und Literaturliebhaber, die insbesondere bei Twitter sehr präsent sind. In den sozialen Medien kann eine Bibliothek die Menschen den Bibliotheksalltag durch ein Schlüsselloch sehen lassen. Sie kann sich witzig und emotional darstellen.

3. Direkte Kommunikation mit den Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen

Nie war es leichter, mit den Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek so direkt außerhalb
der Bibliothek zu kommunizieren. Viele in Bibliotheken schrecken noch vor den sozialen Medien zurück, doch im Grunde ist es dieselbe Kommunikation wie in der Bibliothek selbst und darüber hinaus. Insbesondere direktes Feedback zu bekommen, bietet große Chancen.

4. Als Anbieter digitaler Dienstleistungen glaubwürdig sein

Bibliotheken bieten immer mehr digitale Dienstleistungen an. Ob Onleihe, PressReader, Datenbanken, Streaming-Dienste und vieles mehr. Nichts macht dabei die Bibliothek, die digitale Dienstleistungen anbietet, unattraktiver und unglaubwürdiger, als wenn sie selbst mit dem kommunikativen Herzstück der digitalen Welt, den Social Media, hadert und diese Medien doch zur Vermittlung der digitalen Dienstleistungen nutzen will. Es ist wichtig, dass sich Bibliotheken mit Social Media auskennen, wenn sie digitale Dienstleistungen an Interessierte vermitteln wollen. Hier ist Professionalität gefragt. Dafür muss man die Social-Media-Kanäle auch technisch beherrschen – alles andere wäre peinlich.

5. Künftiges Fachpersonal gewinnen, positiven Imagetransfer erzeugen

Stell dir vor, du bist jung, begeisterungsfähig, lebst auch in Social Media und hast dennoch eine gewisse professionelle Distanz und möchtest dich bei einer Bibliothek auf eine interessante Stelle bewerben. Du recherchierst über die Bibliothek und findest ihre Homepage und ein paar ihrer Nachrichten über Google News. Social-Media-Plattformen? Mäßig, nicht gepflegt oder gar nicht vorhanden. Du fragst dich: “Die Bibliothek will digitale Inhalte anbieten, vermitteln und an die Kundinnen und Kunden bringen und ist nicht da, wo sich das digitale Leben abspielt?“ Alle reden vom Imagewandel in Bibliotheken. Wenn man als Bibliothek Informationsspezialisten von morgen einstellen will, muss man heute auch dort präsent sein.

6. Vernetzung mit Communities in der eigenen Stadt und der Aufbau einer eigenen Community

Die Bibliotheken der Gegenwart und der Zukunft bringen die Menschen zusammen, bauen Netzwerke mit Bürgerinnen und Bürgern und stellen dafür die Plattform zur Verfügung. Bibliotheken werden zunehmend Orte des Wissens[aus]tausches und des informellen Lernens der Nutzerinnen und Nutzer untereinander. Bibliothekslabore und Makerspaces entstehen in vielen Bibliotheken. Will man die digitale Community erreichen und eine eigene Community aufbauen, ist eine professionelle Präsenz in den sozialen Medien und darüber hinaus, wie zum Beispiel in Portalen wie Meetup.com, unerlässlich. Hier sind die Player und hier sind die Multiplikatoren für die Bibliothek zu finden.

7. Vertrauenswürdiger Partner im Netz sein – eine neue Herausforderung und eine riesige Chance

Im Netz kursieren viele Gerüchte und Falschmeldungen. Das war schon immer so, hat aber durch die ganze Fakenews-Debatte eine neue Dimension erreicht. Viele benötigen Orientierung, insbesondere in den sozialen Medien. Bibliotheken sind präsent, doch sie könnten noch viel präsenter sein und viel aktiver für die fundierte Information und Recherche zur Verfügung stehen. Bibliotheken können die vertrauenswürdigen Ankerpunkte im Netz sein.

Gastbeitrag von: Karoline Kahmann, Social-Media- und Online-Redakteurin der Stadtbüchereien Düsseldorf, und Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf.

Seit sechs Jahren sind die Stadtbüchereien Düsseldorf mittlerweile sehr erfolgreich in den sozialen Netzwerken präsent. Man findet die Stadtbüchereien bei Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat (für die Jugendbibliothek). Der eigene Blog heißt „Buchstabensuppe“. Der YouTube-Kanal wird derzeit lediglich als „Container“ für Videoproduktionen hauptsächlich zur Verlinkung genutzt. Die inhaltlichen Konzepte der einzelnen Netzwerke haben sich immer wieder geändert und sie werden sich weiter ändern. Der stete Wandel und die stetigen Veränderungen der Plattformen stellen hohe Anforderungen an die Flexibilität und das Know-How des Social-Media-Teams, das immer auf dem neuesten Stand sein muss.

The ZBW – Leibniz Information Centre for Economics is the world’s largest research infrastructure for economic literature, online as well as offline.

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