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Hinter COAR verbirgt sich ein weltweites Netzwerk von mittlerweile über 130 Einrichtungen (Bibliotheken, Rechenzentren, Forschungsförderer und Ministerien). Ziele von COAR sind die Weiterentwicklung von Repositorien sowie deren Positionierung von in einer offenen Wissenschaftslandschaft. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Treffens waren die Diskussion um COARs Empfehlungen für die „Next Generation Repositories“, die Nutzung von Repositorien über Publikationen hinaus auch für andere Inhalte (z.B. Forschungsdaten oder Lehrmaterialien) sowie verschiedene Länderreports zum Thema Open Access und Open Science.

Eingerahmt wurde das Annual Meeting von zwei Keynotes: In der ersten, „Open Science and the Role of Repositories“ stellte ZBW-Direktor Klaus Tochtermann die “Next Generation Repositories” in den Kontext anderer Reports und Empfehlungen im Bereich Open Science.

Insbesondere ging er dabei auf die European Open Science Cloud und die GO FAIR Initiative ein. Seine These lautete: Die verschiedenen Initiativen innerhalb von Open Science sollten stärker aufeinander Bezug nehmen und voneinander lernen – dadurch entfalten sie insgesamt eine stärkere Wirkungskraft bei der Umsetzung einer offenen Wissenschaftskommunikation.

In der Abschluss-Keynote, “Unleashing Knowledge with Open Access” arbeitete Jean-Claude Goudon (University of Montreal) zentrale Aspekte der Rolle von Repositorien heraus.

Dabei betonte er in seinem wissenschaftssoziologischen Vortrag insbesondere die Nähe zu den Workflows der Forschenden sowie die Passfähigkeit einer umfassenden und offenen (und nichtkommerziellen!) Wissenschaftskommunikation.

Die Pre-Conference

Bereits vor dem Start des eigentlichen COAR Meetings fanden am 14. und 15. Mai zwei fachlich verknüpfte Workshops statt. Dabei ging es zum einen um das Thema alternative Impact-Messung mittels sozialer Netzwerke. Hierzu hatte das DFG-Projekt *metrics, an dem auch die ZBW beteiligt ist, ein Veranstaltungsformat organisiert, welches neben klassischen Vorträgen auch interaktive Formate beinhaltete. Von den verschiedenen Vorträgen seinen hier zwei stellvertretend erwähnt:

Ross McIntyre beschrieb dabei in “Standardised usage statistics from repositories” (IRUS) die sehr weit fortgeschrittenen Aktivitäten in Großbritannien im Bereich der standardisierten Nutzungsmessung. Hier beeindruckte zum einen der Umfang an Services für Repositorien (inkl. vielen Visualisierungen zu den erhobenen Rohdaten) und zum anderen die Internationalisierungsbestrebungen, u.a. mit Pilotinstallationen sowohl in den USA als auch in Australien.

Der Vortrag “Quality challenges of altmetric data aggregators” von Zohreh Zahedi (CWTS Leiden) wiederum lieferte einen sehr kompakten und klar strukturierten Überblick über die Umsetzung von Altmetrics-Nutzungsmessungen, inkl. der relevanten Tools sowie deren Vor- und Nachteile.

Der zweite Pre-Conference-Workshop “Meeting of Repository Networks” beschäftigte sich v.a. mit Services von Aggregatordiensten auf Basis von Repositorien. Dabei wurden unter anderem aktuelle Entwicklungen von BASE, OpenAire oder CORE präsentiert, aber auch Bestrebungen zum Aufbau nationaler Aggregatoren in Kanada und Japan.

Zwei weitere Workshops fanden am Vormittag des 16.05. statt. Dabei ging es einerseits um das Thema Forschungsdatenmanagement und andererseits um Metadaten für Repositorien. Aus der Session zu Forschungsdatenmanagement beeindruckte vor allem der engagierte Vortrag von Marta Teperek (TU Delft) zum Thema “Researcher engagement”, in dem Sie die aus Sicht von Infrastrukturen unterschiedlichen Varianten der Vernetzung mit Forschenden beleuchtete.

Dabei erläuterte sie u.a. das Modell der Data Stewards an ihrer eigenen Universität, bei der disziplinenspezifische Experten die jeweiligen Fachwissenschaftler*Innen zum Thema Forschungsdatenmanagement beraten.

Der zweite Tag

In zwei Sessions der Tagung, benannt “Regional Updates”, wurden insgesamt 11 Kurzvorträge zum Stand von Open Access und Open Science in verschiedenen Ländern der Welt präsentiert. Dabei seien v.a. zwei an dieser Stelle besonders erwähnt:

Martin Borchert (University of New South Wales, Sydney) berichtete über die “The Australasian repository scene”. Dabei betonte er die Bedeutung der Wissenschaftspolitik für die Entwicklung in Australien, über die frühzeitig eine nationale Strategie für Forschungsinfrastrukturen auf den Weg gebracht und finanziert wurde. Dort ging es im ersten Schritt um den Aufbau von Publikationsrepositorien, mittlerweile spielen aber Forschungsdatenrepositorien (v.a. im Rahmen des Australian National Data Service, ANDS) und deren Vernetzung eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Zudem wird das System insgesamt 2018 einen größeren Review unterzogen.

Ebenso interessant gestaltete sich der Vortrag “From Open Repository to Open Scholarly Communication: Experiences Learned in China (CAS)” von Zhang Zhixiong (National Science Library, Chinese Academy of Science). Er berichtete, dass seit 2006 bereits über 110 institutionelle Repositorien mit 600.000 OA-Volltexten in China aufgebaut worden sind, die u.a. über ein gemeinsames Suchportal recherchiert werden können.

Zudem habe man eine chinesischen Version der Repostitorysoftware DSpace (genannt CSpace) entwickelt, die mittlerweile in der Version 6.0 vorliegt. Des Weiteren betonte Zhixiong das Aufblühen einer Preprintkultur auch außerhalb der klassischen Preprintfächer Physik und Wirtschaftswissenschaften (wie z.B. in der Biologie mit BioRxiv). Dadurch werde die klassische Journalfokussierung der Wissenschaftskommunikation aufgeweicht. Insgesamt sei für Repositorien also weiterhin viel Entwicklungspotential gegeben, sofern der Ratschlag berücksichtigt werde: “The OA repository should not be a warehouse for data, but a stage for scientists!”

Insgesamt bot das COAR Annual Meeting vielfältige Möglichkeiten, sich weltweit über die Entwicklungen rund um Repositorien, Open Access und Open Science zu informieren. Zudem war es eine schöne Gelegenheit, Experten aus allen Erdteilen kennenzulernen und sich mit Ihnen zu Fachthemen auszutauschen. Alle Vorträge sind im Tagungsprogramm verlinkt, einen erster Bericht zur Tagung findet sich zudem auf den COAR-Webseiten, optische Eindrücke gibt es auf Flickr in einer umfangreichen Bildergalerie.

Autor: Olaf Siegert | Leiter der Abteilung Publikationsdienste & Open Access-Beauftragter

Quelle der Fotos: COAR e.V. auf Flickr

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