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Das nennt man wirklich Full-Service – mit einem kleinen Hintertürchen zum unverbindlichen Verkaufsgespräch. Der US-amerikanische Online-Buchverleiher Chegg ist bereits seit Monaten ziemlich gut im Geschäft. Zielgruppe des Unternehmens sind Schüler und Studenten, die sich per Fernleihe gleich semesterweise mit Fachliteratur eindecken können. Die Mietgebühr ist niedrig, die Lieferung flott und dabei tun alle noch etwas Gutes für die Umwelt, denn Chegg pflanzt pro Ausleihe einen Baum. Bis heute wartet der Chegg-Wald mit vier Millionen Exemplaren (!) auf, insgesamt erreicht das Unternehmen 6.400 Colleges im Land.

Doch der Wettbewerb nimmt in den Staaten rapide zu: kleinere Startups (zum Beispiel BookRenter.com) drängen in den Markt und natürlich sind da unvergessen die öffentlichen und fachlichen Bibliotheken, die auch noch ein Wort mitzureden haben.

Chegg hat sich daher schon im vergangenen Jahr strategisch am Markt positioniert und zwei kleinere Unternehmen geschluckt, deren Services nun endlich zum Einsatz kommen: Die erste übernommene Firma heißt CourseRank, eine Bewertungsplattformen für Kurse und Dozenten, die gleichzeitig die Veröffentlichung von Notenspiegeln erlaubt. Nutzer können zudem sehen, welche Freunde sich für welche Veranstaltung eingetragen haben und sich auf diese Weise untereinander abstimmen. Nummer zwei ist Cramster, eine Lern-Community, in der Schüler und Studenten sich gegenseitig Hilfe leisten. Beide Dienste werden nun zu einer Lösung zusammengeführt: Die Bewertungsplattform ist vom Start weg kompatibel mit den Lehrplänen von 600 Schulen, bis Jahresende sollen es 1.000 sein.



Infoclip: CourseRank
Der Sinn dahinter? War es bislang so, dass die Kunden zwei Mal im Jahr die Dienste von Chegg in Anspruch nahmen (jeweils am Semsteranfang), so wird es durch die neue angeschlossene Community zu einem ganzjährigen Engagement kommen. Je nach Wahl der Kurse oder Art der inhaltlichen Fragen im Netzwerk bekommen die Nutzer passende Literatur vorgeschlagen. Tatsächlich gibt es für diese Form der Vernetzung noch eine Marktlücke, da einstmals studentisch orientierte Plattformen (wie Facebook) ihren Fokus im Laufe der Zeit immer weiter verloren haben und sich damit von der Zielgruppe Schüler/Studenten weiter entfernten.

Chegg ist sich der Tatsache bewusst, dass Papierbücher über kurz oder lang zum Auslauf-Modell werden und vergleicht sich daher gerne mit der klassischen Videothek. Senior Vice-President of Product, Gibson Biddle, hat diesbezüglich sogar Erfahrung, denn er war vor seiner Neuanstellung Manager bei Netflix, einem populären DVD-Leihversand in den Staaten. Im vergangenen November hat Netflix die physischen Datenträger eingestampft und sich stattdessen auf das Online-Streaming von Filmen konzentriert: “Es war eine große Frage bei Netflix”, sagt er heute. “Wann wechselt man das Geschäftsmodell von DVD auf Streaming? Bei Textbüchern wird sich dieser Übergang analog innerhalb der kommenden fünf Jahre vollziehen. Und wir werden uns bis dahin stärker digital platzieren.”

Ein interessantes Konzept. Es zeigt, dass neben dem eigentlichen Angebot ein weiteres Moment recht wichtig sein kann – nämlich der Rahmen, in dem dies alles geschieht. Die Frage: Welche Rahmenbedingungen können also Bibliotheken schaffen, um ihren Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket zu bieten?

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