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Auf der EU-Konferenz zu „A New Start for Europe. Opening Up to an ERA of Innovation stellte der EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, Carlos Moedas, am 22. Juni die Prioritäten der Europäischen Kommission in diesen Bereichen vor: Open Innovation, Open Science, Open to the World.

Open Innovation – Risikokapital als Schlüssel

Laut EU-Kommissar Moedas gelte es, das richtige Ökosystem zu schaffen, um den Weg in eine Wissensgesellschaft fortzuführen. In Europa gelänge es zu selten, Forschungsergebnisse in Form eines Produktes oder einer Dienstleistung an den Markt zu bringen. Der Blick über den Atlantik zeige, dass ein Schlüssel dazu Risikokapital sei. Um Wege zu finden, dieses zu heben, soll ein European Innovation Council die Arbeit aufnehmen. Erste präsentierte Ideen gehen in Richtung eines mehrstufigen Förderungsprozesses im Rahmen von Horizon 2020. Demnach sollen hervorstechende Projekte, die zwar keine Förderung in Horizon 2020 erhalten, ein Qualitätssiegel bekommen, das diese Projekte für Risikokapitalgeber interessant machen könnte und Antragstellerinnen und Antragstellern in der KMU-Förderlinie den Zugang zu den Strukturfonds erleichtern soll.

Open Science – Schaffung einer Europäischen Forschungsinfrastruktur

moedasNicht zuletzt die EU-Konsultation zu Science 2.0 habe gezeigt, dass sämtliche Bereiche des Forschungszyklus durch Open Science einen Systemwandel erfahren. Die neuen technischen Möglichkeiten, aber auch die steigende Anzahl an Forscherinnen und Forschern weltweit sowie das gesteigerte öffentliche Interesse an der Erforschung gesellschaftlicher Herausforderungen erfordern eine Öffnung des Forschungsprozesses. Um dieses neue System frühzeitig zu fördern, propagiert EU-Kommissar Moedas gemeinsam mit seinem Kommissionskollegen Günther Oettinger, zuständig für die Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, die Schaffung einer Europäischen Forschungsinfrastruktur/European Science Cloud. Eine High-Level Expert Group European Open Science Cloud soll noch in diesem Jahr einen ersten Bericht erarbeiten, aus dem hervorgeht, welche inhaltlichen Schwerpunkte im Forschungsförderprogramm Horizon 2020 gesetzt werden können. Vor diesem Hintergrund erscheint es auch besonders bedeutsam, dass sich zeitgleich eine deutsche Position zu diesem Themenfeld abzeichnet. Dies erfordert in den verbleibenden Monaten allerdings noch einiges an Anstrengungen.

Des Weiteren kündigte EU-Kommissar Moedas an, bis zum Ende des Jahres neue Standards für Forschungsethik zu präsentieren und innerhalb der nächsten zwölf Monate Open Data weiter zu forcieren.

Open to the World – Forschung als Brücke zwischen Kontinenten

Europa produziere die meisten Forschungsergebnisse in der Welt und sei daher eine globale Führungsfigur in der Wissenschaft. Dieses Potential gelte es auch strategisch, etwa für die Verbesserung diplomatischer Beziehungen, einzusetzen. EU-Kommissar Moedas ist überzeugt, dass Forschungskooperationen die internationalen Beziehungen verbessern könnten. Dazu sollen unter dem Schlagwort Scientific Diplomacy (Wissenschaftsdiplomatie) für zunächst vier Schwerpunkte (Energie, Gesundheit, Nahrung und Wasser) globale Forschungspartnerschaften etabliert werden. Exemplarisch wurde für diese Strategie das Projekt „The European & Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP)“ angeführt. Perspektivisch ist Moedas’ Ziel die Schaffung eines globalen Forschungsraumes, der unter anderem China, Lateinamerika und die USA einschließen soll. Auch hierfür will die Europäische Kommission verschiedene Initiativen entwickeln und ausbauen.

Monetarisierung von Forschung

Ein Aspekt, der in den Präsentationen der Europäischen Kommission, sei es durch EU-Kommissar Moedas, aber auch anderer EU-Repräsentantinnen und –Repräsentanten, aufschien, war der eindeutige marktorientierte Fokus. Forschung müsse immer auch unter dem Aspekt der Markttauglichkeit betrachtet werden und Wohlstand und Wachstum generieren. Dies ist ein Thema, das in den Hintergrundgesprächen vor Ort äußerst kritisch gesehen wurde.

Open Science und Wirtschaft

Open Science stellt ein Konzept dar, für das es noch kein gemeinsames Verständnis zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gibt. Während im Themenbereich Open Access eine allmähliche Annäherung erfolgt, gilt dies nicht für alle Aspekte von Open Science. Als Beispiel dafür kann das Verhältnis von öffentlich geförderten Open Data und Industriedaten angeführt werden. Stellte in der Vergangenheit die Lizensierung ein Bindeglied zwischen allen Datenvarianten dar, so verliert dieses Bindeglied mit der Ausweitung von Open Data immer mehr an Bedeutung. In Zukunft wird es daher wichtig sein, dafür zu sorgen, dass die öffentlich finanzierte Forschung, die im Bereich Open Science sehr aktiv ist, mit der privat finanzierten Forschung, die durch Zugangsbeschränkungen und Diskussionen um ‎Digital Rights-Management eher noch in Science 1.0 verhaftet ist, nicht auseinanderdriften. Ein Indiz für ein mögliches Auseinanderdriften war, dass während der Tagung erstaunlich wenige Unternehmensvertreterinnen und -vertreter anwesend waren. Es ist unklar, ob dies von der Europäischen Kommission gewollt war oder eher Desinteresse seitens der Wirtschaft widerspiegelt.

Weiterführende Informationen

  • Unsere Veröffentlichung zur Konsultation: Science 2.0 – Mapping European Perspectives: Link 
  • “Science 2.0 and Libraries – Convergence of two sides of the same coin at ZBW – Leibniz Information Centre for Economics“ in der IEEE Special Technical Community on Social Networking für den E-Letter on Science 2.0: Link
  • How Science 2.0 will impact on Scientific Libraries: In: it-information Technology, Vol 56, No 5 (2014), pp. 224-229, ISSN (Online) 2196-7032, ISSN (Print) 1611-2776; DOI: 10.1515/itit-2014-1050, September 2014

 

Autoren: Dr. Willi Scholz und Klaus Tochtermann (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft)

The ZBW – Leibniz Information Centre for Economics is the world’s largest research infrastructure for economic literature, online as well as offline.

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