{"id":514,"date":"2011-03-23T11:50:11","date_gmt":"2011-03-23T11:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zbw-mediatalk.eu\/?p=514"},"modified":"2022-10-07T06:53:48","modified_gmt":"2022-10-07T06:53:48","slug":"dampfer-bei-google-books-deutsche-verleger-jubeln-nutzer-stohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zbw-mediatalk.eu\/de\/2011\/03\/dampfer-bei-google-books-deutsche-verleger-jubeln-nutzer-stohnen\/","title":{"rendered":"D\u00e4mpfer bei Google Books: Deutsche Verleger jubeln, Nutzer st\u00f6hnen"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[{&quot;id&quot;:7289,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.nytimes.com\\\/2011\\\/03\\\/23\\\/technology\\\/23google.html?_r=1&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:7290,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.focus.de\\\/digital\\\/digital-news\\\/google-book-google-book-settlement-betrifft-deutschland-kaum_aid_454450.html&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.focus.de\\\/digital\\\/digital-news\\\/google-book-google-book-settlement-betrifft-deutschland-kaum_aid_454450.html&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:7291,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.boersenverein.de\\\/de\\\/158446\\\/Pressemitteilungen\\\/433220&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:7292,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:7293,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.faz.net\\\/s\\\/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1\\\/Doc~EE9C6A5B953B4443BB626100FE2924743~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/web-wp.archive.org\\\/web\\\/20110326193828\\\/http:\\\/\\\/www.faz.net:80\\\/s\\\/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1\\\/Doc~EE9C6A5B953B4443BB626100FE2924743~ATpl~Ecommon~Scontent.html?&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.faz.net\\\/s\\\/rube2c6e0bcc2f04dd787cdc274993e94c1\\\/doc~ee9c6a5b953b4443bb626100fe2924743~atpl~ecommon~scontent.html&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]'><\/div>\n<p>Drei Jahre lang hatte Google Narrenfreiheit \u2013 jetzt ist es damit erst einmal vorbei: Denny Chin, Bundesrichter am U.S. District Court in New York hat am Dienstagabend nonchalant das sogenannte &#8220;Google Book Settlement&#8221; <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/03\/23\/technology\/23google.html?_r=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gekippt<\/a>. Der Vertrag wurde im Jahr 2008 geschlossen, nachdem die Suchmaschine im stillen K\u00e4mmerlein und ohne Legitimation damit begonnen hatte, massenweise B\u00fccher einzuscannen und \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen. Die Verleger gingen auf die Barrikaden \u2013 und zwar weltweit. Der in z\u00e4hen Verhandlungen ausgehandelte Vertrag sah bislang vor, dass Google die Scans fortsetzten kann und im Gegenzug der Buchbranche eine Spende in H\u00f6he von 125 Millionen US-Dollar zukommen l\u00e4sst. Blo\u00df von diesem Modell profitierten ausschlie\u00dflich die Verleger in den USA, Kanada, Gro\u00dfbritannien und Australien \u2013 eine Beteiligung beispielsweise deutscher Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/digital\/digital-news\/google-book-google-book-settlement-betrifft-deutschland-kaum_aid_454450.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sah das Settlement nicht vor<\/a>.<\/p>\n<p>Dementsprechend erleichtert reagierte nun auch der B\u00f6rsenverein des deutschen Buchhandels <a href=\"http:\/\/www.boersenverein.de\/de\/158446\/Pressemitteilungen\/433220\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf die Nachricht<\/a>: &#8220;Heute ist ein wichtiger Tag f\u00fcr das Urheberrecht&#8221;, sagt da Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des B\u00f6rsenvereins. &#8220;Das Urteil von Judge Chin zeigt der ganzen Welt, dass geistiges Eigentum nicht aufgrund privater oder kommerzieller Interessen zur Disposition gestellt werden kann.&#8221; Der Tonus l\u00e4sst durchblicken, dass die Deutschen froh sind, dass Google endlich eine Klatsch einstecken musste \u2013 jedoch will man auch an dem Prinzip der B\u00fccherdigitalisierung festhalten: &#8220;Deswegen werden wir gemeinsam mit unseren Partnern in Bibliotheken, Autorenverb\u00e4nden und VG Wort intensiv weiter daran arbeiten, dass vergriffene und verwaiste deutsche B\u00fccher im Internet zug\u00e4nglich werden, ohne dass es dabei zu Verletzungen der Rechte ihrer Urheber kommt.&#8221; Konkrete Pl\u00e4ne, die nun schnell umgesetzt werden k\u00f6nnen, wurden allerdings nicht genannt. Man setzt unverbindlich auf die <a href=\"http:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutsche Digitale Bibliothek<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zbw-mediatalk.eu\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/googlebooks.png\"><\/a>Ganz anders sieht das in den USA aus, wo Verleger nun abermals vor dem Problem stehen: &#8220;Was mache ich jetzt?&#8221; Der Deal hatte sie und Google bislang zu Partnern im Gesch\u00e4ft gemacht: die Buchbranche bekam einen finanziellen Ausgleich, eine kostenlose Digitalisierung vergriffener Werke und damit auch neue Vertriebswege an die Hand. Google profitierte vom besucherlockenden Reichtum des B\u00fccherwissens und einer neuen, gigantischen Werbefl\u00e4che. Das ist nun vorbei: Verleger m\u00fcssen sich \u00fcberlegen, ob sie die Klage von 2008 wieder aufnehmen, fallen lassen oder sich um ein neues Settlement bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Dass ein solcher Vertrag aber in n\u00e4chster Zeit noch einmal zustande kommt, ist erst einmal fragw\u00fcrdig. Richter Chin nahm Google die guten Absichten ab (n\u00e4mlich: Wissen verf\u00fcgbar zu machen), sprach aber gleichzeitig von einem bedrohlichen &#8220;Quasi-Monopol&#8221;, das &#8220;weder fair, noch angemessen und zumutbar&#8221; sei. Letzten Endes war sogar von &#8220;Ausbeute&#8221; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1\/Doc~EE9C6A5B953B4443BB626100FE2924743~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Rede<\/a>. Der Jurist stie\u00df sich vor allem auch an Googles Vorgehen, zun\u00e4chst pauschal die Digitalisate verf\u00fcgbar zu machen \u2013 und erst dann die Rechteinhaber um Erlaubnis zu bitten. Wen spricht Google beispielsweise an, wenn der Autor eines Werkes unbekannt ist? Niemanden. Daher empfiehlt Chin ein obligatorisches &#8220;Opt-In&#8221;-Verfahren, an dem sich Verleger und Autoren beteiligen m\u00fcssen. Erst nach einer offiziellen Anmeldung darf Google dann loslegen. Bis heute hat die Suchmaschine allerdings satte 15 Millionen B\u00fccher gescannt \u2013 man stelle sich vor, dass f\u00fcr jedes Werk einzeln Erlaubnis eingeholt werden muss. Das Projekt &#8220;Google Books&#8221; w\u00e4re damit zwar nicht am Ende, doch an ein anachronistisches Zeitlupentempo gebunden.<\/p>\n<p>Noch eine Partei d\u00fcrfte heute reichlich geknickt reagiert haben: die Nutzer. Der gemeine Internetleser gibt nicht viel auf das komplexe Gebilde Urheberrecht. F\u00fcr ihn ist lediglich wichtig, dass Literatur suchbar und vor allem auch direkt verf\u00fcgbar ist. Sowohl Marktmacht als auch die volle Kriegskasse hatten es Google erlaubt, in die rechtliche Grauzone voranzuschreiten. Viele Bibliotheken k\u00f6nnen sich ein solches Vorgehen jedoch nicht leisten und somit auch nicht alle Bed\u00fcrfnisse der Kunden befriedigen. Es ist ein Dilemma.<\/p>\n<p>Die neue Entscheidung ist aus Perspektive der Rechteinhaber sicherlich ein positives Signal \u2013 zumal auch f\u00fcr den Wissenschaftsstandort Deutschland. Dennoch m\u00fcssen nun schnell Wege f\u00fcr eine neue \u00dcbereinkunft gefunden werden. Wenn Google nun keine Vorlagen mehr macht \u2013 wer k\u00f6nnte dann an die Stelle der Suchmaschine treten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Jahre lang hatte Google Narrenfreiheit \u2013 jetzt ist es damit erst einmal vorbei: Denny Chin, Bundesrichter am U.S. District Court in New York hat am Dienstagabend nonchalant das sogenannte &#8220;Google Book Settlement&#8221; gekippt. 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