{"id":21418,"date":"2014-09-19T09:42:11","date_gmt":"2014-09-19T07:42:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zbw-mediatalk.eu\/?p=21418"},"modified":"2020-03-27T10:52:59","modified_gmt":"2020-03-27T10:52:59","slug":"disruptive-innovationen-vs-bibliotheken-teil-i-segelschiff-oder-dampfschiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zbw-mediatalk.eu\/de\/2014\/09\/disruptive-innovationen-vs-bibliotheken-teil-i-segelschiff-oder-dampfschiff\/","title":{"rendered":"Disruptive Innovationen vs. Bibliotheken, Teil I: Segelschiff oder Dampfschiff?"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[{&quot;id&quot;:6819,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.econbiz.de\\\/Record\\\/the-innovator-s-dilemma-when-new-technologies-cause-great-firms-to-fail-christensen-clayton\\\/10010205814&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.econbiz.de\\\/\\\/Record\\\/the-innovator-s-dilemma-when-new-technologies-cause-great-firms-to-fail-christensen-clayton\\\/10010205814&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:6820,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.newyorker.com\\\/magazine\\\/2014\\\/06\\\/23\\\/the-disruption-machine?currentPage=all&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.newyorker.com\\\/magazine\\\/2014\\\/06\\\/23\\\/the-disruption-machine?currentPage=all&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:6821,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.leibniz-science20.de\\\/wie-sollten-wissenschaftliche-bibliotheken-angesichts-von-science-2-0-agieren&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:6822,&quot;href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.flickr.com\\\/photos\\\/amphalon\\\/5093743256&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]'><\/div>\n<p><em>Quasi \u201e\u00fcber Nacht\u201c k\u00f6nnen disruptive Innovationen ganze Branchen umkrempeln. Vormals \u00fcberlegene Technologien und Anbieter werden bedeutungslos, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen \u2013 oder nicht erkennen wollen. Denn wirklich \u00fcberraschend war die Entwicklung aus historischer Perspektive zumeist nicht. Eine Gefahr auch f\u00fcr Bibliotheken? <\/em><\/p>\n<p>In dem 1997 ver\u00f6ffentlichten \u201eKlassiker\u201c des Innovationsmanagements \u201e<a title=\"The Innovator\u2019s Dilemma\" href=\"http:\/\/www.econbiz.de\/Record\/the-innovator-s-dilemma-when-new-technologies-cause-great-firms-to-fail-christensen-clayton\/10010205814\">The Innovator\u2019s Dilemma<\/a>\u201c zeigt der renommierte US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Clayton M. Christensen im historischen Vergleich von Anbietern verschiedener Technologien in verschiedenen Branchen die Dynamik disruptiver Innovationen. Im Sommer 2014 wurde Claytons Konzept der disruptiven Innovation <a title=\"Methodendiskussion disruptive Innovationen\" href=\"http:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2014\/06\/23\/the-disruption-machine?currentPage=all\">methodisch angegriffen<\/a>. So oder so illustriert \u201eThe Innovator\u2019s Dilemma\u201c sehr anschaulich die Gefahr disruptiver Innovationen, etwa anhand verschiedener Technologien im Schiffbau. Dieses mahnende Beispiel habe ich beim Bibliothekartag in Bremen in unserem <a title=\"Bericht Science 2.0-Workshop Bibliothekartag 2014\" href=\"http:\/\/www.leibniz-science20.de\/wie-sollten-wissenschaftliche-bibliotheken-angesichts-von-science-2-0-agieren\/\">Workshop zu Science 2.0<\/a> erl\u00e4utert. Vielleicht ist es auch generell f\u00fcr Bibliotheken interessant?<\/p>\n<p>1902 lief mit der Thomas W. Lawson das gr\u00f6\u00dfte jemals gebaute Segelschiff ohne Hilfsantrieb vom Stapel. Der einzige Siebenmaster \u00fcberhaupt. Eine Meisterleistung der Schiffsbaukunst. 1907 kenterte sie. Mit ihr ging eine ganze Branche unter,\u00a0 und das Dampfschiff l\u00f6ste das Segelschiff ab.<\/p>\n<p>Hersteller von Segelschiffen schafften den notwendigen Technologiesprung nicht, obwohl sich der Aufstieg des Dampfschiffes \u00fcber Jahrzehnte hinweg zog. 1783 wurde das erste funktionsf\u00e4hige Dampfschiff gebaut, aber erst Jahrzehnte sp\u00e4ter konnten Dampfschiffe mit Segelschiffen mithalten. Urspr\u00fcnglich waren Dampfschiffe den Segelschiffen klar unterlegen. Segelschiffhersteller h\u00f6rten auf ihre Kunden, die Dampfschiffe urspr\u00fcnglich nicht gebrauchen konnten, weil sie zun\u00e4chst als ungeeignet f\u00fcr Ozeanfahrten galten, und verschliefen daher die Entwicklung. Dampfschiffe konnten zun\u00e4chst nur in der Binnenschifffahrt Fu\u00df fassen, hatten hier aber Vorteile, da sie z.B. bei Windstille fahren k\u00f6nnen. Segelschiffhersteller ignorierten diesen aus ihrer Sicht \u201eminderwertigen\u201c Markt und setzten stattdessen auf eine zunehmende Perfektionierung ihrer Technologie \u2013 bis es eines Tages zu sp\u00e4t war.<\/p>\n<p><strong>Ein Einzelfall?\u00a0Betrifft uns der Schiffbau?<\/strong><\/p>\n<p>Die historische Entwicklung im Schiffbau ist nur ein Beispiel daf\u00fcr, welches Schicksal alteingesessene, erfolgreiche Anbieter treffen kann. \u201eIn nur zwei von sechs neuen Hardware-Technologien nimmt das vormals f\u00fchrende Unternehmen auch im n\u00e4chsten Technologiezyklus eine dominierende Rolle ein.\u201c (Christensen, 2011: S. 5). Typisch ist das folgende Muster: Disruptive Technologien \u201eliegen zun\u00e4chst noch weit hinter der Leistungsf\u00e4higkeit einer evolution\u00e4ren Technologie zur\u00fcck, k\u00f6nnen aber \u00fcber die Zeit durchaus volle Wettbewerbsf\u00e4higkeit erlangen.\u201c (Christensen, 2011: S. 7) Anbieter, die sich alleine auf das verlassen, was ihre bestehenden Kunden wollen, werden im Falle disruptiver Innovationen regelm\u00e4\u00dfig in die Irre gef\u00fchrt, weil diese die zun\u00e4chst \u201eminderwertige\u201c Technologie nicht einsetzen wollen. \u00c4hnliches lie\u00df sich auch in anderen Branchen beobachten, wie bei der Abl\u00f6sung der Analog- durch die Digitalkamera und den \u2013 bei Christensen sehr ausf\u00fchrlich behandelten \u2013 immer kleiner werdenden Computerlaufwerken.<\/p>\n<p>Potentiell besteht diese Gefahr disruptiver Innovationen auch f\u00fcr Bibliotheken, insbesondere durch immer wieder neu auftauchende Online-Angebote. Auch wenn etwa Wissenschaftler-Netzwerke und andere spezielle Science 2.0-Angebote bislang wissenschaftliche Bibliotheken nicht \u00fcberfl\u00fcssig machen, sollten sie im Auge behalten werden. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und neue, m\u00f6glicherweise noch unterlegene Angebote nicht voreilig als irrelevant einzustufen.<\/p>\n<p><strong>Literatur: Clayton M. Christensen; Kurtz Matzler, Stephan Friedrich von den Eichen; The Innovator\u2019s Dilemma \u2013 Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren; Vahlen, M\u00fcnchen, 2011<\/strong><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nAutorin:<em> Birgit Fingerle (ZBW \u2013 Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft; Soziale Medien, Stabsstelle Innovationsmanagement)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\">Cover-Bild: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/amphalon\/5093743256\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flickr<\/a> &#8211; amphalon (CC BY-NC-SA 2.0)<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasi \u201e\u00fcber Nacht\u201c k\u00f6nnen disruptive Innovationen ganze Branchen umkrempeln. Vormals \u00fcberlegene Technologien und Anbieter werden bedeutungslos, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen \u2013 oder nicht erkennen wollen. 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