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wir sprachen mit Guillaume Dumas, Célya Gruson-Daniel and Matthieu Le Chanjour

“HackYourPhD” ist eine weltweite Open-Science-Community. Wir befragten ihre Mitbegründer, Guillaume Dumas und Célya Gruson-Daniel, und ihren Schriftführer Matthieu Le Chanjour, zur Mission von “HackYourPhD”, zu ihren Aktionen und dem Nutzen der Community.

“HackYourPhD” ist eine weltweite Community, die 2012 rund um die Frage der “Open Science” gegründet wurde. Wir haben in Frankreich auch einen juristischen Verein gegründet
Unser Manifest fasst es zusammen: We believe it is important to show that new ways of doing research exist, and can only benefit research itself as well as the relationship between science and society. We do not seek to revolutionize research, but rather question how it works and add complementary bricks so that it may adapt better to today’s world and respond in a well-adapted fashion to the scientific and human issues of tomorrow.”

Grundsätzlich fördern wir das kollektive Nachdenken darüber, wie wir Forschung heute in einer digitalen Welt praktizieren und teilen. Dies geschieht durch mehrere Handlungsstränge:

  • Kollaborative Kuratierung
  • Veranstaltungen und Dokumentationen über Open Science durch kreative Formate
  • Networking und Interviews mit Menschen, die Open Science in Frankreich und im Ausland ermöglichen.

Dies zeigen zum Beispiel unsere Flyer, die unsere Vision von Open Science als gesellschaftliches Thema für alle teilen oder unser Buch “HackYourPhD”: profile of young researchers of the #OpenScience generation” (PDF).

Wer gehört zur “HackYourPhD”-Community? Für wen ist sie gedacht? Welche Vorteile bietet die Mitgliedschaft?

Die Teilnehmenden sind Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, die daran interessiert sind, zu verstehen, wie Wissenschaft funktioniert: neugierige Bürgerinnen und Bürger, Doktoranden, etablierte Forschende, Journalistinnen und Journalisten sowie Unternehmerinnen und Unternehmer.

Am Anfang wurde die Community von Menschen initiiert, die in den Bereichen Kognitionswissenschaften (STM) und Wissenschaftskommunikation aktiv waren, danach traten weitere Mitglieder aus den Sozial- und Geisteswissenschaften der Organisation bei.

  • “HackYourPhD” bringt Studierende, junge Forschende, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Hackaktivisten, Tüftlerinnen und Tüftler aus allen Bereichen, Unternehmerinnen und Unternehmer und alle, die sich für die Produktion und den Austausch von Wissen im weiteren Sinne interessieren, zusammen. Diese Gemeinschaft zielt darauf ab, konkrete Lösungen für komplexe Probleme zu finden und dringend benötigte kooperative Beziehungen zwischen den an der Wissensproduktion Beteiligten aufzubauen. Dies ist notwendig, um kollektive Intelligenz zu schaffen und Antworten auf dringende gesellschaftliche Fragen zu geben.
  • Wir wollen durch gemeinsame Aktivitäten von Mitgliedern der Community eine gesunde Dynamik unter den Forschenden schaffen und die “Black Box” öffnen, damit die Forschung der Gesellschaft dienen kann und nicht eingefahrenen etablierten Interessen”.

Die Vorteile bestehen vor allem darin, einen Schritt zurückzutreten und zu reflektieren, was Wissenschaft und Forschung bedeuten, und die Möglichkeit zu haben, neue digitale Praktiken in der Forschung (Programmierung) zu erlernen und gleichzeitig die gesellschaftspolitischen Anteile der Nutzung dieser Methoden und freier und Open-Source-Software zu verstehen. Mehr Informationen bekommen Sie zum Beispiel in unserem Digital Literacy Programm “Open Geek”.

Ist “HackYourPhD” eine weltweite Initiative oder ist sie hauptsächlich in Frankreich und den USA aktiv?

Wir sind hauptsächlich in Frankreich tätig, aber mit einem internationalen Netzwerk verbunden. Wir betrachten “HackYourPhD” als “porte d’entrée”, um mit anderen Communities in Afrika und Indien mit dem OCSD-Netzwerk und APSOHA, Asien mit dem CRI, USA Kanada mit Force11 und l’association science ouverte) zusammen zu kommen. Im Jahr 2014 ging Célya Gruson-Daniel auch auf Tournee durch Nordamerika (Reisetagbuch), um Menschen zu treffen, die an der blühenden Open-Science-Community beteiligt sind. Ihre Eindrücke sind in ihrem Reisetagebuch “HYPhD aux States” festgehalten.

Wir sind auch sehr aktiv bei der Verbreitung von Informationen über unsere Website und in sozialen Medien, insbesondere über unsere Facebook-Gruppe “Hack your Phd” und unseren Twitter-Account @HackYourPhd.

Wie wird “HackYourPhd” finanziert?

Die Community besteht seit jeher aus Freiwilligen und der Verein profitiert von ihrem Beitrag (fünf Euro pro Mitglied und Jahr). Im Moment bekommen wir keine weitere Finanzierung. Wir haben jedoch in der Vergangenheit eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne organisiert. Für ein Projekt namens “HackYourPhD aux States” haben wir über 5.000 Euro (mehr als erwartet) für eine Web-Dokumentation gesammelt, die durch die Vereinigten Staaten reist, um Menschen zu treffen, die an Open Science beteiligt sind.

Welches sind Eure jüngsten Aktivitäten?

Unsere jüngsten Aktivitäten waren die Organisation von Open Geek Sessions (mehr als 20 Workshops in 2 Jahren, um die Programmierung in Python und die Grundlagen der Open- und Datenwissenschaft zu erlernen). Weitere Informationen dazu gibt es auf unserem Github. Unsere Veranstaltungen wurden hauptsächlich mit La Paillasse (einem Bürger- und DIY-Wissenschaftslabor), aber auch mit anderen Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen organisiert. Für den Zotero-Workshop wurde die Session von einer Bibliothek und einer sozialwissenschaftlichen Gemeinschaft gemeinsam veranstaltet. The Cake Reports Training: “Nützliche Open-Science-Tools für die Forschung in der Psychiatrie” (PDF) wurden gemeinsam mit der Verbandstagung der European Psychiatric Association veranstaltet.

Mehrere unserer Mitglieder wurden eingeladen, “HackYourPhD” vorzustellen und ihr Wissen über Open Science auf Konferenzen, Workshops wie dem MozWow, das mit dem Pasteur Institute und dem Mozilla Science Lab organisiert wurde, oder der Science Shakers-Veranstaltung (Apéro mit Fachleuten der wissenschaftlichen Kommunikation) auszutauschen. Unser praktisches Wissen haben wir auch in Workshops weitergegeben (Abschriften und Redaktion während Hackarnavals und der Journée Medici für wissenschaftliche Fachpublikationen in Frankreich.

Wir haben auch eine Veranstaltung auf der ESOF 2018 (EuroScience Open Forum) über die Interaktionen zwischen Hackern/Makern und Institutionen mitorganisiert. Sie führte zur Herausgabe von Leitlinien zur Förderung des fruchtbaren Austauschs zwischen Forschungseinrichtungen und Hacker-/Maker-Communities.

In jüngster Zeit haben wir damit begonnen, besondere Veranstaltungen zu organisieren (nicht nur in Paris, wo die wichtigsten Veranstaltungen ursprünglich stattfanden), sondern auch in anderen Städten Frankreichs wie Montpellier oder Straßburg.

Wie organisiert Ihr die “HackYourPhD”-Community, ihre Diskussionen und Aktivitäten?

Unsere Aktivitäten sind gleichzeitig online und offline. Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr persönlich, um gemeinsam die Hauptausrichtungen der Gemeinschaft festzulegen. Dann arbeiten wir oft zu zweit oder in Gruppen von mehreren Personen an den verschiedenen Projekten. Wir tauschen uns hauptsächlich online über unsere Mailingliste aus. Unsere Organisation basiert auf einer kollektiven Führung; wir treffen Entscheidungen auf kollegiale Weise. Um breit zu kommunizieren, nutzen wir Social Media wie Facebook oder Twitter. Unsere Facebook-Gruppe tauscht sich auch aktiv über die Themen aus, die wir in der Timeline teilen. Natürlich sind Veranstaltungen im wirklichen Leben ein wichtiger Moment, um die Gemeinschaft zu sammeln, aber auch, um Menschen zu treffen, die an anderen Projekten beteiligt sind, und um neue Kooperationen einzugehen.

Wie setzt Ihr Euch für offene Wissenschaftspraktiken ein?

Manchmal werden wir freundlicherweise darum gebeten, z.B. beim Podcast: Célya Gruson-Daniel on the bigger picture of Open Science. Wir ermutigen die Diskussionen in einem Panel mit verschiedenen Profilen und schaffen den Rahmen für fruchtbare Debatten und Informationen über Instrumente, Beispiele, Kontroversen und wissenschaftliche Forschung im Zusammenhang mit offenen Praktiken. Wir verwenden auch gerne Illustrationen und Humor, um unser Publikum zu begeistern.

Wir erstellen lehrreiche und informative Inhalte. Da einige unserer Mitglieder seit einigen Jahren Open Science praktizieren, lernen wir auch viel aus der Erfahrung jedes Menschen, den wir treffen, seien es Forschende oder nicht. Aktives Lobbying ist eine unserer Hauptaktivitäten. Wir wollen ein Licht auf die Entwicklung offener wissenschaftlicher Praktiken werfen und darauf, wie sie der Gesellschaft zugutekommen können, und auch darauf, wie sie leider auch missbraucht werden können.

Mit welchen Herausforderungen und Barrieren seid Ihr konfrontiert?

Die erste Idee von “HackYourPhD” ist vor 5 Jahren entstanden. Zu dieser Zeit wurde Open Science hauptsächlich von Basisorganisationen vorangetrieben, bevor es zu einem Trendthema und einem wichtigen Punkt der Forschungspolitik wurde. So haben wir die Entwicklung der offenen Wissenschaft beobachtet und auch studiert (die Doktorarbeit eines der Mitbegründer beschäftigte sich mit diesem Thema). Wir haben beobachtet, wie Basisorganisationen aus verschiedenen Gründen (kognitive Sättigung, Zeitmangel und Finanzierung) ihre ursprüngliche Motivation verloren haben.

Wir freuen uns, weiterhin mit neuen Mitgliedern aktiv zu sein, die ihre Begeisterung und Motivation für neue Projekte teilen. Eine der Herausforderungen wäre es, nachhaltiger zu werden und unsere Mitglieder zu vergüten, die Tage und Nächte für dieses Projekt gegeben haben, und gleichzeitig die Fluidität und die kollektive Governance zu erhalten. Dazu sind wir an neuen Organisationsmodellen interessiert, die von Ideen der Sozialwirtschaft und des Gemeinwesens inspiriert sind.

Es ist auch wichtig, die Menschen verstehen zu lassen, dass Offenheit nicht kostenlos bedeutet und dass wir Wirtschaftsmodelle brauchen, die auf Offenheit basieren und gesellschaftlich und ethisch wertvoll sind. Zwei weitere Herausforderungen bleiben, in Bezug auf Daten das ethische Missverständnis, dass man Daten von Menschen nicht ohne deren Zustimmung offen teilen kann, und für Software die falsche Vorstellung, dass Open Source schlechter ist, denn “Wenn es offen ist, kann es nicht so gut sein”.

Wir sprachen mit: Guillaume Dumas, Célya Gruson-Daniel und Matthieu Le Chanjour.

Guillaume Dumas (Mitbegründer / Vizepräsident) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Pasteur-Institut für Kognitive Neurowissenschaften und Systembiologie. Er interessiert sich für die Dynamik der sozialen Koordination und wie ihr theoretisches Verständnis zur Förderung der offenen Wissenschaftsbewegung genutzt werden kann. Er arbeitet auch in großen Kooperationen in der biomedizinischen Forschung und setzt sich für offene Praktiken vom Datenaustausch bis zur Reproduzierbarkeit ein.

Célya Gruson-Daniel (Mitbegründerin / Präsidentin) absolvierte die Ecole Normale Supérieure. Sie verteidigte gerade eine Doktorarbeit am Centre de Recherche Interdisciplinaire, die auf ihrer Arbeit über Open Science zwischen Frankreich (UTC Costech Lab) und Québec (Université Laval) basiert. Sie ist außerdem Forschungsingenieurin am Centre Virchow-Villermé in Paris (Open and Digital Science Project Manager).

Matthieu Le Chanjour (Schriftführer) ist seit 2011 Bildungswissenschaftler mit Schwerpunkt Pädagogik und Fernsehautor mit Sitz in der Bretagne. Seine Leidenschaft gilt der Astronomie, Hirnforschung, Geschichte und dem Austausch von Wissen aller Art. Er ist außerdem freiberuflicher Wissenschaftsjournalist und Unternehmer im Bereich der naturwissenschaftlichen Ausbildung, der Berufsausbildung und des Industrial Prototyping.

Alle Grafiken sind von Mitgliedern von “HackYourPhD” and mit der Unterstützung des Graphic Designers Bac Chu Vu erstellt worden.

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