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Am 26. August 2018 wurde der IFLA Global Vision Report veröffentlicht. Insgesamt trugen mehr als 30.000 Menschen aus 190 Ländern und aus allen Arten von Bibliotheken zum Inhalt des Berichts bei, indem sie ihre Meinungen und Bedenken teilten. Mehr als 9.000 Personen nahmen an Workshops teil und mehr als 21.000 stimmten online ab. Die IFLA hatte ihren globalen Visionsprozess 2017 mit dem Ziel gestartet, die Herausforderungen und Chancen für das Bibliothekswesen weltweit zu erheben.

Nach der Veröffentlichung des Global Vision Report zielt die IFLA nun darauf ab, die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Zu diesem Zweck startete sie einen weltweiten Aufruf zur Ideenfindung, wie diese Möglichkeiten in die Tat umgesetzt werden könnten. Ideen können in einem “Ideenshop” eingereicht werden. Nach der Analyse und Konzeption globaler Maßnahmen bis März 2019 plant die IFLA, ihre neue Strategie im August 2019 einzuführen.

Flickr: CC BY-SA 2.0 – IFLA

Wir werfen einen Blick auf die Ergebnisse des Berichts, die für die Rolle von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren bei der Förderung von Open Science von Bedeutung zu sein scheinen.

Globale Übereinstimmung bei beruflichen Werten und Stärken

Die wichtigste Erkenntnis des Berichts ist, dass sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare über alle Regionen, Bibliotheksarten und -erfahrungen hinweg für einen gleichberechtigten und freien Zugang zu Informationen und Wissen einsetzen. Kein anderer Wert wurde weltweit so hoch bewertet wie diese Selbstverpflichtung. Der zweite zentrale Wert ist der Einsatz für die Verbreitung von Informationen und Wissen.

“‘Openness’ war das am häufigsten verwendete Wort, um einen Kernwert zu beschreiben, und es scheint, dass viele unserer anderen Kernwerte daraus resultieren: Offenheit von Gebäuden, Sammlungen und Informationen (Zugänglichkeit, Vielfalt).”
– Professional Unit Report

Die Nummer eins auf der Liste, worin Bibliotheken besonders gut sind, ist der Zugang zu Informationen und Wissen. Sie weist das höchste Ranking über alle Generationen und Berufsgruppen von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren und unter allen Bibliotheksarten mit Ausnahme von Schulbibliotheken und Nationalbibliotheken auf. Es ist auch die Nummer eins für alle Regionen, außer für Afrika und Asien und Ozeanien, bei denen es die Nummer zwei ist. Hier stellt die Förderung von Lernen, Alphabetisierung und Lesen die Nummer eins dar.

Wovon sollten Bibliotheken mehr und wovon weniger tun?

Die Nummer eins auf der Liste, wovon Bibliotheken mehr tun sollten, lautet Partnerschaft und Zusammenarbeit. Daneben gehören zu den Top 5 weltweit:

  • das Annehmen von digitalen Innovationen
  • die Förderung des Lernens, der Alphabetisierung und des Lesens
  • Engagement für die Gesellschaft
  • Schulung und Entwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Führungskräften

Etwas abweichend davon, teilen sich die Top 5 aus wissenschaftlichen und Forschungsbibliotheken vier Positionen mit den globalen Top 5: Anstatt des Engagements für die Gemeinschaft ist hier die Förderung von Forschung und Innovation enthalten. Darüber hinaus ist das Annehmen digitaler Innovationen die Nummer eins in der Liste der wissenschaftlichen und Forschungsbibliotheken. Regional betrachtet sind die digitalen Innovationen unter den Top 5 aus Europa ebenfalls an der Spitze.

“We must refuse activities and actions understandable and necessary only for librarians.“
– National Workshop Report

Andersherum wurden die Teilnehmenden auch gefragt, was Bibliotheken weniger tun sollten. Die Nummer eins auf dieser Liste ist das Arbeiten in Isolation. Zu den weltweiten Top 5 gehören auch:

  • unflexibel und bürokratisch sein und zu viele Einschränkungen errichten
  • Widerstand und Angst vor Veränderungen
  • passives Verhalten
  • die Aufrechterhaltung veralteter Dienste und Sammlungen

Die europäische Top-5-Liste teilt sich vier Positionen mit den globalen Top-5. Anstatt veraltete Dienstleistungen und Sammlungen aufrechtzuerhalten, beinhaltet sie, schüchtern und bescheiden zu sein.

Was sind die größten Herausforderungen für Bibliotheken?

Die Hauptherausforderung für Bibliotheken stellen die unzureichende Finanzierung und Investitionstätigkeit dar. Darüber hinaus gehören zu den Top 5 weltweit:

  • kein Verständnis von Geldgebern und Stakeholdern für den Wert von Bibliotheken
  • laufende technologische Veränderungen
  • Image und Status der Bibliotheken
  • das Management des Wandels

Die fünf wichtigsten Punkte aus wissenschaftlichen Bibliotheken teilen sich vier Positionen mit dieser Liste. Anstatt den Wandel zu managen, wurde hier eine ungenügende Infrastruktur genannt.

Merkmale eines vereinigten Bibliothekswesens und Chancen für Bibliotheken

Gefragt nach den Eigenschaften eines vereinigten Bibliotheksbereichs ist die effektive und effiziente Nutzung und das Teilen von Ressourcen und Technologien die Nummer eins. Zu den weltweiten Top 5 gehören daneben:

  • starke Partnerschaften und Zusammenarbeit
  • starke Bibliotheken bauen informiertere, gebildetere und partizipativere Gesellschaften auf
  • Engagement für eine qualitativ hochwertige Ausbildung und Entwicklung im Bereich der Bibliotheksinformationswissenschaften (LIS)
  • motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Zehn Möglichkeiten für Bibliotheken, die auf den anderen Ergebnissen basieren, wurden ebenfalls im Bericht identifiziert.

IFLA Global Vision: Top 10 Opportunities von IFLA auf Vimeo.

Zu diesen Möglichkeiten gehören:

  • Bibliotheken müssen Verfechter der geistigen Freiheit sein, denn der gleichberechtigte und freie Zugang zu Informationen und Wissen hängt von der Meinungsfreiheit ab.
  • Bibliotheken müssen ihre traditionellen Rollen dem digitalen Zeitalter anpassen, um den sich ändernden Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer gerecht zu werden und Lernen, Lesen und Informationskompetenz sinnvoll zu unterstützen.
  • Bibliotheken müssen mit dem technologischen Wandel Schritt halten, um sicherzustellen, dass sie über die richtigen Werkzeuge, Infrastrukturen, Finanzmittel und Fähigkeiten verfügen, um die Chancen digitaler Innovationen zu nutzen.
  • Bibliotheken müssen einen Geist der Zusammenarbeit entwickeln, indem sie bestehende und wahrgenommene Hindernisse für die Zusammenarbeit beseitigen und die Vision eines vereinten Bibliothekswesens verwirklichen.
  • Bibliotheken müssen ihre derzeitigen Strukturen und Verhaltensweisen, wie eine passive Denkweise, überwinden, und Innovationen und Veränderungen annehmen, um die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen sie konfrontiert sind.
  • Bibliotheken müssen den Zugang zum dokumentarischen Erbe der Welt maximieren, indem sie innovative Praktiken und Instrumente anwenden, Fachwissen und Ressourcen austauschen und sich für Lösungen einsetzen.

Chancen für Open Science

Die Zustimmung zu einem gleichberechtigten und freien Zugang zu Informationen und Wissen als zentralem Wert macht Bibliothekarinnen und Bibliothekare zu natürlichen Evangelisten von Open Access, Open Data und Open Science im Allgemeinen. Weniger isoliert und mehr zusammen zu arbeiten, ist das, was Bibliotheken tun sollten, und worum es auch bei Open Science geht. Der laufende technologische Wandel, das Management des Wandels und die unzureichende Infrastruktur sind die größten Herausforderungen für Bibliotheken. Sie sollten zudem weniger unflexibel, bürokratisch und restriktiv sein sowie weniger Widerstand leisten und Veränderungen befürchten, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Die Überwindung ihrer derzeitigen Strukturen und Verhaltensweisen, wie eine passive Denkweise, würde sie ebenso wie die Aktualisierung ihrer traditionellen Rollen im digitalen Zeitalter in Verbindung mit der Ausbildung und Entwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Führungskräften in die Lage versetzen, die Möglichkeiten digitaler Innovation zu nutzen und Forschung und Innovation zu fördern. Dies würde auch dazu beitragen, Open Science zu fördern.

Lesen Sie den vollständigen IFLA-Report

Birgit Fingerle ist Diplom-Ökonomin und beschäftigt sich in der ZBW unter anderem mit Innovationsmanagement, Open Innovation und Open Science. Birgit Fingerle holds a diploma in economics and business administration and works at ZBW, among others, in the fields innovation management, open innovation and open science.

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