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von Birgit Fingerle

Kürzlich erschien ein Zwischenbericht “Openness Profile: Defining the Concepts“ der Arbeitsgruppe “Open Scholarship Research Evaluation task & finish” von Knowledge Exchange (KE). Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie alle akademischen und nicht-akademischen Beiträge, die die Arbeit von Open Scholarship ermöglichen, bei der Bewertung von Forschung anerkannt werden könnten. Ein Teil der Arbeit der Gruppe ist die Entwicklung eines Openness-Profils. Dies ist ein Tool, um derzeit nicht berücksichtigte (nicht-akademische) Beiträge, die für eine offene Wissenschaft wesentlich sind, einzubeziehen und zu bewerten. Zu diesen derzeit nicht anerkannten Beiträgen gehören Aktivitäten wie das Öffnen und Kuratieren von Daten für die Wiederverwendung oder das Auffindbar- und Verfügbar-Machen von Forschungsergebnissen.

Könnte ein Openness Profile Open Science fördern?

Der Bericht gibt einerseits einen Überblick über Strategien, Hindernisse und Bedürfnisse der Forschungscommunity in Bezug auf die Öffnung der Wissenschaft. Interviews mit 19 Forschungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, sowohl Forschungsleiter als auch unterstützende Fachleute aus der Technik, dem Bibliothekswesen, Data Stewardship und Projektmanagement, bilden die Grundlage des Berichts. Im Anschluss an den Zwischenbericht wird die KE-Gruppe das Konzept des Openness-Profils im Rahmen eines Stakeholder-Workshops weiter testen. Nach dem Workshop wird ein Abschlussbericht erstellt, der weitere Empfehlungen zur Entwicklung des Openness-Profil-Tools enthalten soll.

Viele der Befragten müssen die Offenheit ihrer wissenschaftlichen Arbeit nachweisen. Ein möglicher Use Case des Openness-Profils wäre es also, ihnen bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu helfen. Ein anderer Anwendungsfall, den viele der Befragten sahen, ist es, Menschen zu ermöglichen, dass ihnen ihre derzeit nicht angerechnete Arbeit in Zukunft angerechnet wird. Ein weiterer Anwendungsfall wäre die Verwendung des Openness-Profils als Teil von jährlichen Bewertungen.

Enthusiasmus für Open Science sowie Frustration mit dem gegenwärtigen System

Die Analyse ergab eine signifikante Begeisterung für Open Science bei den Befragten sowie ein hohes Maß an Frustration mit dem derzeitigen System von Anreizstrukturen und kultureller Trägheit. Als Folge davon zeigten die Befragten einen starken Wunsch nach einer Änderung des Systems der Bewertung von Beiträgen zur Wissenschaft und auch der Frage, wer dafür Anerkennung erhält.

Die Barrieren für Offenheit führen bei vielen Befragten zu Frustration. Meistens wurde systemische Trägheit als Quelle der Frustration genannt. Das gesamte System scheint schwer zu ändern zu sein. Die Ursache dafür sind tief verwurzelte Anreize, veraltete Wertstrukturen, Netzwerkeffekte und ein Mangel an treibender Kraft für Veränderungen, auch weil keine Interessengruppe bereit ist, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

In den folgenden Abschnitten konzentrieren wir uns auf die in den Ergebnissen des Zwischenberichts genannten Bedürfnisse der Wissenschaftscommunity, die durch Bibliotheken und Informationsinfrastrukturen unterstützt werden könnten und somit offene Forschungspraktiken gefördert werden könnten:

Training anbieten

Die Hälfte aller Befragten gab an, dass sie Schulungsbedarf haben. Dies ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass viele Praktiker die Notwendigkeit sehen, neue Arbeitsabläufe zu übernehmen und neue Fähigkeiten zu erlernen, um beispielsweise ihre Daten interoperabel zu machen oder neue Kommunikationskanäle zu nutzen. Die am häufigsten erwähnte Fähigkeit war die Programmierung, insbesondere die Verwendung von Open-Source-Programmiersprachen wie Python und R.

Entlastung der Forschenden

Es kamen mehrere Ideen auf, wie die genannten Barrieren abgemildert werden könnten. So könnte beispielsweise die Belastung der Forschenden abgemildert werden, wenn es mehr Data Stewards gäbe. Eine weitere Bürde für die Forschenden besteht darin, dass sie Informationen in mehrere Systeme oder Websites eingeben müssen. Dies könnte erleichtert werden, wenn sie nur einmal Metadaten eingeben oder Ergebnisse hochladen müssten, und diese dann automatisch in alle relevanten Systeme verbreitet würden. Dies unterstreicht die Bedeutung der Integration bestehender wissenschaftlicher Infrastrukturen wie ORCID oder DOI. Darüber hinaus äußerte ein Viertel aller Befragten den Wunsch nach besseren Metadaten; im Gegenzug wurde das Fehlen eines allgemein akzeptierten Standards für institutionelle Identifier als Hindernis gesehen.

Open-Science-Tools systematisieren

Die Schaffung einer Systematik der von Open-Science-Praktikerinnen und -Praktikern verwendeten Instrumente würde die Kuratierung und Kategorisierung der Beiträge ermöglichen. Viele der Befragten nannten eher Klassen von Open-Science-Tools als spezifische Tools. Das am häufigsten zitierte spezifische Open-Science-Tool war Github, was auch betont, dass Computercode ein zunehmend wichtiges wissenschaftliches Ergebnis darstellt.

Unterstützung bislang vernachlässigter Ausgabearten

Die Hälfte der Befragten nannte Forschungsartikel und Software oder Programmcode, was diese zu den beliebtesten Ausgabeformen wissenschaftlicher Arbeit macht. Im Gegensatz dazu erwähnten nur fünf der Befragten Forschungsdaten. Aber die Prozesse, Werkzeuge und Ressourcen, die den Umgang mit einer großen Anzahl verschiedener Datentypen und sehr großer Datensätze ermöglichen, wurden zum Thema. Und es wurde mangelnde Klarheit darüber deutlich, wie man Daten FAIR machen kann.

Birgit Fingerle ist Diplom-Ökonomin und beschäftigt sich in der ZBW unter anderem mit Innovationsmanagement, Open Innovation und Open Science. Birgit Fingerle holds a diploma in economics and business administration and works at ZBW, among others, in the fields innovation management, open innovation and open science.

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