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Was bedeutet Sichtbarkeit in einem sozialen Netzwerk und wie können Wirtschaftswissenschaftler/innen sie erreichen? So lauteten die Forschungsfragen, die in einem Projekt des Forschungsverbunds Science 2.0. untersucht wurden. Das Ergebnis: Guidelines, die Forschende beim Einsatz von Twitter für ihre Arbeit unterstützen.

Herauszufinden, wie sich Sichtbarkeit in einem sozialen Netzwerk messen lässt und wie  Wirtschaftswissenschaftlerinnen Sichtbarkeit im Social Web erreichen können, wurde in dem Forschungsprojekt „Sichtbarkeit für WirtschaftswissenschaftlerInnen auf Twitter“ am Beispiel von Twitter untersucht. Ziel des Projekts war es, Guidelines für WirtschaftswissenschaftlerInnen zum Umgang mit Twitter zu erstellen. Diese Guidelines sollten auf den Erfahrungen und Erkenntnissen von WirtschaftswissenschaftlerInnen basieren, die bereits auf Twitter aktiv sind.

Vielfältiger Einsatz des Social Networks für die Wissenschaft

Twitter wird – im Vergleich zum anglo-amerikanischen Raum – in Deutschland von Ökonomen kaum genutzt. Dies deckt sich auch mit den Ergebnissen des Open Science-Survey. Dennoch wird der Micro Blogging-Dienst von manchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr aktiv für ihre Arbeit eingesetzt. Sie nutzen Twitter beispielsweise, um ihr Netzwerk zu vergrößern, Reputation aufzubauen, mit Journalisten zu kommunizieren, Publikationen zu diskutieren oder direkt untereinander zu tauschen. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen das Social Network hingegen gar nicht, obwohl es für ihre Arbeit nützlich sein könnte. Ihnen den Nutzen näher zu bringen und sie bei ersten Schritten auf Twitter zu unterstützen, war der Grund für die Entwicklung der Guidelines. An dem Projekt im Rahmen des Forschungsverbund Science 2.0 beteiligt waren die ZBW – Leibniz Informationszentrum Wirtschaft, die Universität St. Gallen / Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement und das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW).

Twitter-Nutzung kollidiert mit traditionellen Karrierekriterien der Wissenschaft

Als Basis für die Guidelines dienten Tiefeninterviews mit neun deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die aktive und sichtbare Twitter-Nutzer sind. Ziel war es etwa herauszufinden, was diese Ökonomen auf Twitter tun, wie sie agieren, was sie sich davon versprechen, welche Zielgruppen sie erreichen, welche Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse sie hatten und wie sie meinen, ihren „Impact“ auf Twitter erhöhen zu können.

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Dabei ließen sich einige Grundaussagen aus den Interviews ableiten, die der Nutzung von Twitter entgegenstehen: Zum einen herrscht hierzulande ein eher konservatives Wissenschaftsverständnis vor. Zum anderen scheint der Mehrwert von Twitter – bezogen auf traditionelle Kriterien für eine wissenschaftliche Karriere – nicht immer klar ersichtlich.

Ergänzt wurde die Befragung durch eine Literaturanalyse im Rahmen einer Projektarbeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Test der Guidelines lässt Twitter nützlicher erscheinen

Die auf den Interviews basierende erste Version der Guidelines wurde – mit Unterstützung des DIW Berlin – in einer Testphase angewendet: Acht Wirtschaftswissenschaftlerinnen, die Twitter unterschiedlich intensiv und zu unterschiedlichen Zwecken nutzen, wurden zu ihrem bisherigen Nutzungsverhalten befragt. Daraufhin wurden sie gebeten, elf Wochen lang die Empfehlungen der Guidelines zu berücksichtigen. Anschließend wurden sie erneut befragt. Es zeigte sich, dass in der Auswahl der Zielgruppen und Inhalte, in der Frequenz und Uhrzeit der Nutzung und im Einsatz von Hashtags und Retweets Veränderungen erzielt wurden. Die Teilnehmenden empfanden Twitter am Ende der Versuchszeit als nützlicher für sich und andere und ihr eigenes Nutzungsverhalten als durchdachter. Ihre Rückmeldungen wurden in der vorliegenden finalen Version der Guidelines, die in englischer und deutscher Sprache vorliegt, berücksichtigt.

Guidelines vermitteln Motivation und Empfehlungen

Warum sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überhaupt twittern? Den potentiellen Nutzen von Twitter für den Einsatz im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit transparent zu machen und dafür zu motivieren, war ein Anliegen, das in den Guidelines adressiert wird. Twittern kann in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert bringen: In Bezug auf die Bekanntmachung des eigenen Projekts und der eigenen Institution oder für das Selbstmarketing. Die Forschung kann gefördert werden, da Twitter es ermöglicht, eigene Forschungsergebnisse zeitnah zu verbreiten – und Feedback zu bekommen. Auch die Lehre kann mittels Twitter positiv beeinflusst werden, indem der fachliche Diskurs darüber belebt wird.

Informationen können dank Twitter weit gestreut werden. Ein Austausch mit der breiten Öffentlichkeit, Multiplikatoren und Entscheidungsträgern kann daraus entstehen, auch die Interaktion mit Personen, mit denen man sonst nicht ins Gespräch kommen würde. Der Reichweitenvorteil kann für die eigene Forschungsarbeit genutzt werden. Gleichzeitig kann man sich selbst per Twitter einen Wissensvorsprung erarbeiten, der vor allem in der wirtschaftspolitischen Beratung von Vorteil sein kann. Dennoch hängt die Resonanz von der Reputation des Wissenschaftlers beziehungsweise der Wissenschaftlerin ab; junge Forschende müssen vermutlich etwas mehr Zeit investieren als bereits etablierte Forscherinnen und Forscher.

In den Empfehlungen zum richtigen Twittern geht es um Grundsätzliches, wie das eigene Profil anzulegen und die Zielgruppe zu definieren. Auch die Auswahl an Inhalten und operative Tipps für eine gewinnbringende Twitter Nutzung sind enthalten, um eine Steigerung der eigenen Follower Zahl und Interaktion mit den eigenen Tweets zu erreichen. Dabei profitieren die Guidelines von den Praxisbeispielen der interviewten Expertinnen und Experten.

Guidelines als lebendes Dokument

Das Social Web befindet sich in ständiger Veränderung. Die Guidelines sind daher nicht in Stein gemeißelt. Eine Weiterentwicklung ist erwünscht. Wenn Sie dazu beitragen möchten, können Sie Ihre Empfehlungen und eigenen Erfahrungen in einer bearbeitbaren Version der Guidelines für WirtschaftswissenschaftlerInnen auf Twitter eintragen.

 

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Autorinnen: Birgit Fingerle, Anna Maria Höfler (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft; Soziale Medien, Stabsstelle Innovationsmanagement)

 

The ZBW – Leibniz Information Centre for Economics is the world’s largest research infrastructure for economic literature, online as well as offline.

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