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Da wurde aber gejubelt! Der Verband der Deutschen Fachpresse hat seine Mitglieder um den kollektiven Kassensturz gebeten und daraufhin die mitgeteilten Geschäftszahlen des vergangenen Jahres veröffentlicht (PDF). Das Ergebnis: Der Umsatz wuchs um 0,8 Prozent – das klingt nicht nach viel, doch wenn man bedenkt, dass die Verlage 2009 noch einen Umsatzabsturz um 4,2 Prozent einstecken mussten, wirkt diese Zahl schon anders. Für dieses Jahr wird damit gerechnet, dass man dem Rekordergebnis aus dem Jahr 2008 – 3,12 Milliarden Euro – wieder ein ganzes Stück näher gekommen ist. Knapp die Hälfte aller angeschriebenen Verlagshäuser gab an, dass man in diesem Jahr mit weiteren Verbesserungen rechnet.

„Die mutigen Investitionen der deutschen Fachverlage in hohe Qualität und in spannende Zukunftsmedien tragen heute erste Früchte”, sagt da sagt Karl-Heinz Bonny, Sprecher der Deutschen Fachpresse. “Das freut und motiviert uns sehr. Denn es zeigt, dass wir mit unserer Strategie richtig liegen, den Wandel in Krisenzeiten zur Entwicklung neuer Geschäftsfelder zu nutzen.“ Genau hier wird man aufmerksam, nicht zuletzt hat der Verband die Ergebnisse unter der Headline “Erfolg durch aktiven Wandel” publik gemacht.

“Wandel”? Ah, die “elektronischen Medien”! Tatsächlich konnten die Fachverlage ihre digitalen Vertriebswege 2010 noch besser auslasten: Das Wachstum lag hier bei 10,4 Prozent – keine andere Distributionsform war so erfolgreich. Bei den Gesamterlösen nimmt E-Publishing einen Anteil von 13,1 Prozent (satte 396 Millionen Euro) ein. Erlöswachstum gab es dagegen kaum bei den Fachzeitschriften (0,4 Prozent) und gar nicht bei den Fachbüchern und Loseblattsammlungen (-3,4 Prozent). Zu den Fachzeitschriften sei noch gesagt, dass die Menge der verfügbaren Titel seit 2008 kontinuierlich fällt (von 3.907 auf 3.829) – ähnlich verhält es sich mit den jeweiligen Auflagen. Der Verband räumt hier selbst eine eine “sehr heterogene Entwicklung” im Umsatzmix ein.

Das wird noch einige Zeit so bleiben. Halten wir fest: Loseblattsammlungen befinden sich auf einem absteigenden Ast. Fachzeitschriften können derzeit noch bequem den Status Quo halten – aber auch hier ist abzusehen, dass die Performance der Boomjahre vor 2008 in dieser Form wohl nicht mehr zu erreichen ist. Die Kurve verläuft nach dem Absturz horizontal weiter. Fachbücher können noch zum Erlöswachstum beitragen. Und die elektronischen Medien haben den Vogel abgeschossen.

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