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Nutzerbefragungen, Zielgruppenstudien, Usability-Tests – Bibliotheken und Fachinformationszentren verfügen heute über eine Menge Werkzeuge, um ihre Kunden besser kennen zu lernen. Doch nicht immer sind diese Maßnahmen zielführend. Laut Teilnehmern des kürzlich stattgefundenen BibCamp 4 sind manche Ergebnisse so heterogen, dass man ratlos zurück bleibt. Und selbst wenn die Bedürfnisse der Kunden erkannt werden, so sagt dies noch nichts über die Motivation der Nicht-Kunden aus.

Vor allem Informationsanbieter, die ihre Dienste über das Internet zugänglich machen, setzen daher zusätzlich auf das Tracking ihrer Online-Besucher. Mit Hilfe von Analyse-Software lernen sie verstehen, woher die Nutzer kommen, was sie suchen, ob ihre Recherchen erfolgreich waren und an welchem Punkt sie das Angebot wieder verlassen haben. Die gewonnen Informationen helfen dabei, die Online-Services zu optimieren, indem etwa häufig aufgerufene Features prominenter auf der Website platziert werden.

Die Auswertung von Zugriffsdaten ist keine neumodische Hexerei, Tracking-Angebote gibt es bereits seit Jahren, allerdings hat ihr Einsatz in Deutschland oft einen bitteren Beigeschmack. Der Marktführer Google Analytic bietet beispielsweise einen umfassenden Einblick in die Klickgewohnheiten der Nutzer – gleichzeitig sendet der Dienst aber die sensiblen Daten (unter anderem die IP-Adressen) in die USA. Dafür kassiert Google Analytics regelmäßig die rote Karte der Datenschützer. Andere Anbieter, wie E-Tracker, erlauben den Besuchern transparente Opt-Out-Möglichkeiten – diese Datenschutzkonformität hat allerdings ihren Preis und der wird in hartem Euro beziffert.

Die Daten bleiben auf dem eigenen Server

Doch es gibt Abhilfe. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein hat sich in der Vergangenheit verschiedene Lösung für Zugriffsanalysen angesehen und nun erstmals eine klare Empfehlung ausgesprochen: Genannt wird die Open-Source-Lösung Piwik. Das Hauptargument der Datenschützer lautet, dass “anders als bei vielen anderen Produkten zur Webanalyse die Verarbeitung nicht bei einer anderen Stelle oder bei einem Auftragsdatenverarbeiter stattfindet, sondern auf dem Rechner des Webseitenanbieters selbst”. Damit sei eine Weitergabe der Nutzerdaten an Dritte ausgeschlossen. Zudem biete das kostenlose Piwik den Vorteil, Echtzeitanalysen leisten, so dass das Verhalten der Besucher studiert werden kann, während sie sich auf der Website bewegen.

Piwik ist seit rund zwei Jahren am Markt vertreten und hat sich seitdem tatsächlich als brauchbare Alternative zu Google Analytics entwickelt. Die Software informiert über Seitenaufrufe, Unique Visits, bietet eine übersichtliche Besucheranalyse (Herkunftsländer, Browser, Betriebssystem) sowie Analysen für Referrer und Ziele. Per Plugin lässt sich außerdem eine Heatmap erstellen, auf der bevorzugte Klickbereiche der Website angezeigt werden (Beispiel-Screenshot).

Die Daten werden mittels JavaScript (dies muss also im Besucher-Browser aktiviert sein) und einem Zählpixel erhoben und dann in einer MySQL-Datenbank geparkt. Wer das Ganze selbst einmal ausprobieren möchte, kann sich in einer Online-Demo ein Bild vom Angebot machen. Zudem haben die Datenschützer aus Schleswig-Holstein einen kleinen Leitfaden formuliert, der über die Hintergründe aufklärt und Hinweise für die Einbindung beinhaltet.

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